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Geheime Dramaturgische Gesellschaft Posts

Worüber müssen wir nicht mehr reden? Worüber müssen wir jetzt noch reden?

Für einen Teil von uns – zumin­dest die­je­ni­gen von uns, die in Hildesheim stu­diert haben – ist das stu­den­ti­sche Diskurs‐Festival State of the Art wohl einer der Gründe dafür, war­um wir uns jetzt mit Gesprächskultur und Nachgesprächen beschäf­ti­gen. Vom 19. – 21. Oktober fand es zum 9. mal statt und mit Jonas ist die GDG Teil des­sen gewe­sen.

Anlass dafür war die Zusammenarbeit des State of the Art mit dem Performing Arts Programm Berlin. Das Handbuchprojekt, bei dem auch wir Teil sind, wur­de von Nathalie Frank in einer Podiumsdiskussion über Theatervermittlung vor­ge­stellt und vier der acht Nachgesprächsformate aus die­sem Projekt wur­den auf dem State durch­ge­führt. Darunter auch zwei von uns.

Zu der Produktion „Das Vaterunser“ hat Jonas jeweils ein­mal die „Kartographie“ und „Das unbe­schrie­be­ne Blatt“ durch­ge­führt. Beides mit bis­her unge­ahn­ten Teilnehmendenzahlen von knapp 60 Menschen. Für die Kartographie geht das sehr gut auf und die Bühne ist danach gepflas­tert mit Post‐Its. Dem unbe­schrie­be­nen Blatt, so die Erfahrung nach dem State,  tut es auf jeden Fall gut mit weni­ger Menschen durch­ge­führt zu wer­den – wenn auch das Papierreißen von 60 Händepaaren in einem ansons­ten stil­len Raum eine wun­der­ba­re Geräuschkulisse schafft. Für bei­de Formate haben wir auf­grund der Erfahrung der vor­he­ri­gen Testläufen geschraubt und neu­es aus­pro­biert. Auch jetzt fin­den sich mög­li­che aber teil­wei­se auch noch nöti­ge Variationen, die wir bei wei­te­ren Testläufen erpro­ben wer­den.

Jonas hat zudem die Podiumsdiskussion unter der Moderation von Michael Kranixfeld, bei der neben Nathalie Frank auch Prof. Birgit Mandel, Prof. Christoph Lutz‐Scheuerle und Prof. Jens Roselt mit auf dem Podium spra­chen beob­ach­tet und durf­te sie unter den Fragen „Worüber müs­sen wir nicht mehr reden?“ und „Worüber müs­sen wir jetzt noch reden?“ abschlie­ßen.


Niederschrift des Abschlusses der Podiumsdiskussion (auf­grund des feh­len­den Kontexts der vor­her­ge­gan­ge­nen Podiumsdiskussion leicht ange­passt):

Wir müs­sen nicht mehr dar­über reden, dass der Vermittlungsbegriff divers ist. Wir müs­sen auch nicht mehr dar­über reden, dass es diver­se Theaterverständnisse gibt. Wir müs­sen aller­dings immer wie­der dar­über spre­chen, was wir mei­nen, wenn wir von Vermittlung spre­chen. Wir müs­sen immer wie­der dar­über reden, was wir mei­nen, wenn wir über Theater spre­chen. 

Das Gespräch auf dem Podium hat sich vor allem dem Theater als Institution und deren Vermittlung gewid­met. Ich möch­te nun den Bogen schla­gen zurück zum Anfang, zu den Nachgesprächsformaten des PAP aber noch viel mehr zu dem vor uns lie­gen­den Festival und zu den Gesprächsformaten hier auf dem State of the Art.

Wir müs­sen uns immer wie­der fra­gen: Wer sind die Akteur*innen die­ser Gespräche? Wer sind wir, die wir die­se Gespräche durch­füh­ren und was ist unser Anliegen? Wir sind kei­ne Institutionen, wir sind auch kei­ne Künstler*innen – zumin­dest nicht die­je­ni­gen deren Aufführungen wir gera­de bespre­chen. Sind wir viel­mehr Publikum, das für das Publikum ein Format anbie­tet um ins Gespräch zu kom­men? Wer spricht hier eigent­lich mit wem? Ist das Gespräch über­haupt die adäqua­te Form und war­um spre­chen wir immer nur danach, aber nicht davor oder wäh­rend­des­sen? Wie ver­mit­teln wir Gesprächskultur, über was spre­chen wir und haben wir über­haupt gemein­sa­me Begriffe?

Abschließend habe ich ein kur­zes Plädoyer for­mu­liert, das ich an uns alle rich­ten möch­te: Die Künstler*innen haben etwas prä­sen­tiert. Sie haben Position bezo­gen und sich damit angreif­bar gemacht. Wie kom­men wir dar­auf anzu­neh­men, die­se Stellungnahme im Nachgang auch noch mund­ge­recht erklärt zu bekom­men? Wie kom­men wir dar­auf, noch mehr von den Künstler*innen zu for­dern? Die Künstler*innen haben die Aufführung been­det. Nun ist es an uns Stellung zu bezie­hen. Nun ist es an uns, uns angreif­bar zu machen. Dann kön­nen wir in Dialog tre­ten.

2. Klausurtagung der GDG

Nach einem auf­re­gen­den und viel­sei­ti­gen Jahr 2017 hat sich die Geheime Dramaturgische Gesellschaft freund­li­cher­wei­se in die Räumlichkeiten vom art der Stadt e.V. Gotha zur Klausurtagung zurück­zie­hen kön­nen. Wir haben das Jahr Revue pas­sie­ren las­sen und uns gegen­sei­tig von den letz­ten Aktivitäten auf dem 23. Treff Junges Theater Thüringen, den Filmtagen der baye­ri­schen Schulen und dem State of the Art Hildesheim berich­tet. Wenn man ver­su­chen wür­de das Jahr 2017 in Zahlen dar­zu­stel­len sähe das wahr­schein­lich so aus:

2 Beobachtungs und Dokumentationsaufträge
2 Klausurtagungen der GDG
1 Jahrestagung der GDG
2 Publikationsbeteiligungen
3 Neukonzipierte Nachgesprächsformate
10 Testläufe der neu­kon­zi­pier­ten Nachgesprächsformate
3 kon­zi­pier­te und durch­ge­führ­te inter­na­tio­na­le und natio­na­le Workshops
1 Preisverleihung
1 Logo
1 Facebook Seite
1 neue Website
6 besuch­te Festivals
1 besuch­ter Fachtag
2 besuch­te Werkstatttage
7 neue Arbeitspartner*innen
3 Lagerfeuer
4 Sprachziergänge
200 Klebepunkte
300 Kugelschreiber
800 E‐Mails
1000 Post its
unzäh­li­ge goog­le docs

Wir haben, nach­dem wir uns gemein­sam aller Aktivitäten und Geschehnisse des ver­gan­ge­nen erin­nert haben, die indi­vi­du­el­len (Zukunfts-)Vorstellungen und Interessen – hier sind auch eini­ge kom­plett neue for­mu­liert wor­den – inner­halb der GDG aus­ge­lo­tet und geklärt, wer wie in Zukunft wei­ter­ma­chen will. Natürlich haben wir uns die­ses Wochenende nicht nur in Form des Zurückschauens mit dem Jahr 2017 aus­ein­an­der­ge­setzt son­dern haben uns auch viel Zeit genom­men unse­re bis­he­ri­gen Formate zu reflek­tie­ren und zu befra­gen. Wir haben her­aus­ge­ar­bei­tet was gut funk­tio­niert und an wel­chen Schrauben man in man­chen Formaten noch dre­hen muss, damit sie für ein Publikum als Gesprächsimpuls funk­tio­nie­ren kön­nen. So brach­te zum Beispiel die Diskussion des Formats „Preisverleihung“ am Ende kla­rer for­mu­lier­te Performer*innenhaltungen, Spielregeln und ver­schie­de­ne Antworten auf die Fragen „Warum spre­chen wir?“ her­vor. Zum Abschluss began­nen wir damit das Jahr 2018 zu pla­nen. Die Kalender wur­den gezückt, Termine abge­spro­chen und mög­li­che Arbeitskonstellationen ent­wor­fen. Wir haben eini­ges vor und die ers­ten Gespräche über mög­li­che Zusammenarbeiten haben schon begon­nen. Wir sind gespannt und hal­ten euch natür­lich auf dem Laufenden, denn wir wol­len mit euch reden.

 

30 Filme in 30 Stunden Festival

Zum ers­ten Mal war die GDG mit der Einladung zur Festivalbeobachtung der 40. Filmtage baye­ri­scher Schulen (12.–15.10.2017, Gerbrunn) auf einem Filmfestival aktiv. Als Externe durf­te ich das Festival beglei­ten und einen Blick auf die Gesprächskultur wer­fen. In den drei­ßig Stunden in denen ich da war habe ich 30 Kurzfilme gese­hen und bespro­chen. Die Vielfalt war immens. Die Filme dau­er­ten von 90 Sekunden bis 30 Minuten. Es waren 1 – 400 Personen betei­ligt, pro­du­ziert waren sie von Grund‐, Haupt‐, Förder‐, Real‐, Gymnasial‐ oder Berufsschüler*innen in mehr oder weni­ger enger Betreuung durch zumeist aus­ge­bil­de­te Filmlehrer*innen. Das waren Spielfilme, Animationsfilme, Werbefilme, Legetrickfilme, Sciencefiction und Dokumentarfilme. Die basier­ten auf Ideen von Schüler*innen, der unmit­tel­ba­ren Lebenswirklichkeit, Unterrichtsinhalten, der Ausrichtung des Förderantrags oder einem lang geheg­ten Traum.

Die Begeisterung fürs Filmemachen war von den rou­ti­nier­ten Urgesteinen, die die­ses Festival seit 40 Jahren beglei­ten, genau­so zu spü­ren wir bei den jun­gen, auf­stre­ben­den Crews.

Der Raum für Gespräche ist ein­ge­tak­tet in ein vol­les Programm: Die „Besprechungen“ fin­den jeweils im Anschluss an die Blöcke des aus 34 Filmen bestehen­den „Hauptprogramms“ statt. Ein span­nen­des Festival, in das sich die GDG sehr ger­ne ein­klin­ken wür­de!

Im nächs­ten Schritt ist die GDG ein­ge­la­den, beim Auswertungs‐ und Planungstreffen am 11. Dezember 2017 in der Fortbildungsakademie für Lehrer*innen in Dillingen dabei zu sein. Das lässt und hof­fen im nächs­ten Jahr an den 41. Filmtagen bay­ri­scher Schulen in Holzkirchen mit­wir­ken zu kön­nen.
Hier ein Ausschnitt aus der Festivalbeobachtung, die ich für das Festival geschrie­ben habe:

Abspann – ein Toast
Auf die Kraft der Pause und der Überforderung!
Auf akti­vie­ren­de Gesprächsformate!
Auf Gedankenanstöße!
Auf die Unabgeschlossenheit von Diskussionen!
Auf offe­ne Fragen!
auf die Streitkultur und die Kritikfähigkeit!
Auf den Mut zum infor­mel­len Gespräch!
Auf (sebst)bewusste Filmrezipient*innen!
Auf weib­li­che und jugend­li­che Vorbilder im Film!
Auf Schwimmbäder in Schulen und Festivalorten!
Auf die Transparenz!
Auf die Vielfalt der Filme an Schulen und die Menschen hin­ter die­sen!
Auf unse­re Zusammenarbeit und den fort­ge­setz­ten Diskurs!
Auf das Sprechen über Gespräche!
Auf die jah­re­lan­ge Erfahrung, die Lust an der Veränderung und auf 40 wei­te­re Jahre Filmtage an bay­ri­schen Schulen!

Wildwechsel 2017

Schon 2015 beglei­te­ten wir das Wildwechsel Festival für Kinder‐ und Jugendtheater. Damals im E‐Werk Weimar, die­ses Jahr im Kraftwerk Mitte in Dresden. Das Kraftwerk Mitte ist der neue Kreativstandort Dresdens. Und wie es sich für Kreativität gehört benö­tigt die­se Synergien. Die gibt es in Dresden geballt, schon allein auf­grund des­sen das sich die Staatsoperette und das Theater Junge Generation ein Foyer tei­len. Das heißt, Alt und Jung sich gegen­sei­tig die Klinke in die Hand drü­cken. Die künst­le­ri­sche Leitung um Katrin Behrens und Christoph Macha luden uns ein, eine Ecke des Foyers zu unse­rem Dokumentations‐, Sammel‐, Diskurs‐ und Aufenthaltsort – dem Basislager – zu machen. Wir luden die Besucher*innen des Festivals dazu ein, die Kulturprogramme der gro­ßen Parteien zu lesen und zu kom­men­tie­ren, wir erstell­ten mit­hil­fe eini­ger hun­dert bun­ter Klebepunkte Stimmungsbilder zu den Fragen „Braucht es Theaterpreise?“ und „Wie geht es dir heu­te?“. Wir stell­ten rie­si­ge Pappen zur Verfügung um sei­ne Meinungen, Fragen, Glückwünsche oder jeg­li­che Art von Äußerung zu den Wettbewerbs‐ und Gastgeberinszenierungen fest­zu­hal­ten und gestal­ten die Inszenierungsgespräche für Fachbesucher*innen.

Für die Inszenierungsgespräche blie­ben uns pro Wettbewerbsproduktion nur 30 Minuten. Für uns war klar, das in die­ser Zeit Gespräche nur begon­nen wer­den konn­ten. Wir ent­war­fen also Formate in denen wir gemein­sam mit den Fachbesucher*innen und Künstler*innen Impulse für ein Sprechen nach dem Inszenierungsgespräch her­vor­brin­gen woll­ten. Gemeinsam mit den Teilnehmenden bil­de­ten wir Gesprächsgruppen über die Auswahl von Lebkuchenformen, spra­chen 8 Minuten am Stück wäh­rend uns jemand zuhör­te ohne uns zu unter­bre­chen, wir spa­zier­ten durch das Foyer, wir gestal­te­ten mit all unse­ren Aufführungserfahrungen ein lee­res Blatt Papier und frag­ten uns, wäh­rend wir einen Nach.Ruf für eine Inszenierung ver­fass­ten „Was bleibt?“.

Wir haben eini­ge Formate die wir schon oft ver­wen­det haben für neue Räume und Gruppengrößen adap­tiert, wir haben spon­tan unse­ren Plan geän­dert da unse­re Konzeption rea­lis­tisch nicht umzu­set­zen war, wir haben neue Formate das ers­te Mal in die Tat umset­zen kön­nen. Wir haben viel gelernt und eini­ges an Fragen für unse­re inter­ne Klausur im Oktober auf­stel­len kön­nen. Zum Abschluss des Festivals erhiel­ten wir fol­gen­de, hier anony­mi­sier­te, Nachricht:

Besten Dank euch für die aber­mals groß­ar­ti­ge Festival‐Begleitung. Ihr ward schon in Weimar für mich der Punkt, der das Festival beson­ders gemacht und für die­ses wirk­lich tol­le Begleitprogramm sowie die Wohlfühlatmosphäre und Streitkultur gesorgt hat. Das ist euch wie­der geglückt und ich habe es sehr genos­sen.

Wir sagen vie­len Dank und freu­en uns auf ein nächs­tes Mal!

 

1. Jahrestagung der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft – Tag 3

Mit Kuchen zum Frühstück und natur­na­hem Warm‐Up begann der letz­te Tag der ers­ten Jahrestagung. Danach beka­men beim letz­ten Impuls in einer Gesprächstypentombola alle einen Baustein zuge­lost, aus dem nach einem Gang durch die Themen und Gespräche der letz­ten Tage ein Gesprächs‐Alter‐Ego ent­stand, der dann foto­gra­fisch und in einer Vernissage den ande­ren prä­sen­tiert wur­de.
Beim anschlie­ßen­den Mittagessen wur­den die gemein­sa­me Zeit reflek­tiert, Getränkerechnungen begli­chen und Wünsche und Ideen für eine nächs­te Tagung auf dem Tisch fest­ge­hal­ten, bevor alle Teilnehmenden mit neu­en Formaten und eini­gen Impulsen im Gepäck in Richtung Bahnhof auf­bra­chen.

 

1. Jahrestagung der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft – Tag 2

Der Vormittag

Nach einem gemein­sa­men Frühstück mit Lavendel und Butterkunst und einem GRIPS’schen Warm‐Up begann der Tag mit Ideen und Diskussionen zu einem Gesprächsformate‐Wiki: Wofür und wie soll es genutzt wer­den? Welche Kategorien braucht es? Wie kön­nen Erfahrungen aus­ge­tauscht wer­den? Und woher kom­men die Formate?

Danach teil­te sich die Gruppe in zwei Impulse, in denen über das über Strukturen Sprechen gespro­chen wur­de und Formen des Dokumentierens der GDG vor­ge­stellt und befragt wur­den. Dabei sind vie­le Fragen, Antworten und Gespräche ent­stan­den, die uns beim Mittag im wun­der­ba­ren Sonnenschein und beim anschlie­ßen­den Sprachziergang in die Nachbargemeinde wei­ter beschäf­ti­gen.

Der Nachmittag

Mit Gesprächen über Auslandsaufenthalte für Studierende der Puppenspielkunst, das Dasein und die Arbeit als Performer und Masterarbeiten ging es durch die Nordthüringische Landschaft vor­bei am Alternativen Bärenpark zu den nächs­ten Impulsen.
Dort ange­kom­men wur­de ange­regt dis­ku­tiert über die Unterschiede zwi­schen Feedback‐, Kritik‐ und Nachgespräch und war­um wir über­haupt auf der Suche nach einer Definition sind. Das fol­gen­de Format war bei Kaffee, Kuchen, Sekt und Trinksprüchen das wohl ent­spann­tes­te bis­her und lud an allen Seiten und Enden des Tisches zum Philosophieren ein.
Durch Lachyoga auf­ge­weckt ging es dann am Long Table um Hierarchien und deren Abbau, um die Fragen wer eigent­lich ent­schei­de, wel­ches Format für wen das bes­te ist, ob Lehrer*innen in ein Schüler*innen Nachgespräch gehö­ren und mit wel­chen Bedürfnissen der Teilnehmenden eines Nachgesprächs wie umge­gan­gen wer­den soll.

Kurze Regenschauer auf dem Heimweg konn­ten die Stimmung nicht trü­ben und auch spä­ter die Grillmeister*innen nicht abschre­cken und bei gutem Essen, Gesellschaftsspielen, Laberfeuer und Musik des Gemeindefestes neben­an klang der Abend aus.

1. Jahrestagung der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft – Tag 1

Ankunft in der Arche Worbis und ers­te Impulse

Noch bevor die ers­te Jahrestagung der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft begann, muss­te viel geklärt wer­den: wel­ches Zimmer liegt wo, wel­che Veranstaltung besu­che ich am Samstag, hel­fe ich lie­ber beim Frühstück Machen oder beim Grillen, was ist mein Lieblingsformat, wo kom­me ich her und wie geht es mir eigent­lich?

Danach wur­de begrüßt und es gab Abendessen. Die Aufforderung der GDG, neben den*derjenigen am Tisch zu sit­zen, den*die ein jeder*eine jede am wenigs­ten kennt, pro­vo­zier­te ers­te Gespräche, haupt­säch­lich um die Frage krei­send „Wie kommst du eigent­lich hier­her?“ und „Was hast du mit Theater zu tun?“.

Am Abend gab es ers­te Impulse aus Berlin, Hildesheim, Berlin und Hildesheim die im anschlie­ßen­den ers­ten Laberfeuer der Tagung mün­de­ten.

 

Preisverleihung auf den Schultheatertagen der bayrischen Gymnasien

Preiskategorien und die zuge­hö­ri­gen Preisträger_innen unse­rer Preisverleihung auf den Schultheatertagen der bay­ri­schen Gymnasien 2017 in Bamberg

Warum ein­fach, wenn‘s auch umständ­lich geht – Swimming

Größte Authentizität – Lehrerin, die uns unter­brach, weil Sie die Preisverleihung blöd fand

Bester Song – Die Räuber (Mad World), weil der Song am Ende jedes Stückes ste­hen kann

Schultheatertage bayrischer Gymnasien 2017

Wir waren zu Gast bei den Schulltheatertagen der bay­ri­schen Gymnasien 2017 in Bamberg. Im wun­der­bar zu einem Festivalzentrum umge­stal­te­ten Kaiser‐Heinrich‐Gymnasium, mit eige­ner Strandbar, und dem E.T.A.-Hoffmann-Theater konn­ten wir vom 23. bis 26. Juli zehn ein­drucks­vol­le und abwechs­lungs­rei­che Aufführungen aus ganz Bayern besu­chen.

Ab Stunde Null wer­den wir von den P‐Seminaren des KHG, wel­che das Festival “schmis­sen”, Willkommen gehei­ßen. Ob im Festivalbüro, hin­ter der Bar, bei der Bühnentechnik oder dem Catering, über­all waren flei­ßi­ge, hoch­mo­ti­vier­te und freund­li­che Schüler*innen am Werk.

Und die­se Energie springt über. Die Festivalgemeinde wird eine spie­le­ri­sche. Es wird gespro­chen, dis­ku­tiert, ver­han­delt, gespielt, beschrie­ben – über das Theater der Zukunft an den Fenstern der Schule, die gese­he­nen Aufführungen auf Kommentarplanen und in der Strandbar oder impul­siv über die Box des blin­den Aktionismus’. Dank der gemein­sa­men Unterbringung in den Klassenräumen des KHG konn­te die Festivalgemeinde auch über Nacht wei­ter zusam­men­wach­sen und wir mit viel Freude unser Format “Pyjama‐Party” aus­pro­bie­ren.

Unter den Wegen zwi­schen den bei­den Spielstätten lei­de­te das Festival nicht, sie wur­den im Gegenteil für regen Austausch und Vernetzung genutzt – von Lehrer*innen, Schüler*innen und natür­lich von uns.

Und wir haben Preise ver­lie­hen – was in Bamberg ein beson­de­res Spektakel war. Es war die bisher umstrit­tenste und damit auf ihre Weise best­funk­tio­nie­rens­te Preisverleihung die wir jemals hat­ten. Wir haben uns angreif­bar gemacht, wie es immer unser Ziel ist und damit im Nachgang so vie­le Diskussionen ent­facht, wie noch nie.

Es ging dar­um, ob unse­re Preisverleihung den Wettbewerbscharakter auf ein Festival brin­gen, das bis­her ohne aus­kam.

Es ging dar­um, welch eine Wertschätzung die­ser offe­nen, ehr­li­chen Festival‐Reflexion inne woh­ne und dar­um war­um die Preise (25 cent‐Dosen‐Billig‐Cola) man­chen wich­ti­ger schie­nen als unse­re Worte.

Es ging dar­um, wie sehr Schüler*innen sich per­ma­nent ver­glei­chen und der Noten‐, Erfolgs‐, Vergleichsdruck stets prä­sent sei.

Es ging dar­um war­um eigent­lich wir da sit­zen und uns her­aus­neh­men über die Stücke zu reden.

Es ging dar­um, wel­che Preiskategorien es geben soll­te

Es ging dar­um, ob Schüler*innen wirk­lich kei­ne Ironie ver­ste­hen und wie schwer es ist als Spielleiter Kritik zu ertra­gen.

Es ging um Performerhaltungen und wie wir es als unse­ren Fehler emp­fan­den tat­säch­lich eine Schüler*innen Gruppe nicht bepreist zu haben.

Es ging um ange­kün­dig­te Subversivität.

Wir dan­ken abschlie­ßend allen Beteiligten, ins­be­son­de­re den Schüler*innen und Lehrer*innen aus Bamberg, Burglengenfeld, Kaufbeuren, Neu‐Ulm, Nürnberg, Oberasbach, Schwabach, Straubing, Vaterstetten und Würzburg, sowie den zustän­di­gen P‐Seminaren.

Fachtagung „Anzetteln – Was kommt eigentlich nach Worldcafé und Fishbowl?“

Vom 20.–21. Juni 2017 in Wolfenbüttel.

Eine Tagung, in der es ums Anzetteln von Gesprächen gehen soll, hat uns als Gruppe pro­fes­sio­nel­ler Gesprächsanstiftender natür­lich beson­ders gereizt. Dann gab es da noch die­sen „call for methods“
bei dem „Studierende, Künstler_innen, Kulturschaffende und Kulturvermittler_innen“ ein­ge­la­den wur­den, „ihre Arbeit und ihre Gedanken zum Thema Neue Formate in der Kulturellen Bildung auf künst­le­ri­sche Art und Weise zu prä­sen­tie­ren“.

Wir ent­schlos­sen uns dazu, unser Urformat, das „Basislager“, ein­zu­rei­chen und waren froh dar­über, das „Basislager“ als „dura­tio­nal, Aufenthalts‐, Erholungs‐, Begegnungs‐, Dokumentations‐, Partizipations‐ und Diskursort“ unter der Auswahl an weit­ge­hend zeit­lich sehr begrenz­ten Gesprächsmethoden auf der Tagung vor­stel­len zu kön­nen.

Es war uns eine gro­ße Freude, auf die­ser Tagung auch auf Menschen aus Arbeitskontexten fern­ab des Theaters zu tref­fen, die sich eben­falls mit dem „Sprechen über“ beschäf­ti­gen und mit ihnen unse­re und ihre Arbeit zu dis­ku­tie­ren.

Zwischen Lean cof­fee, Barcamp, Sudelbüchern, Dinnerformaten, einer Soundlecture, warmdenk‐Methoden, Spaziergängen, fuck‐up‐nights, einer Fahrradtour durch Wolfenbüttel und den Raum immer stär­ker fül­len­den gra­phic record­ings rausch­te der Fluss an dem sehr ange­neh­men Tagungsgebäude vor­bei und es blieb aus­rei­chend Zeit mit den ande­ren Teilnehmenden über die Impulse der Tagung zu spre­chen.

Wir emp­fan­den die bei­den Tage als gro­ße Bereicherung und freu­en uns dar­auf, wei­ter­hin Gespräche anzu­zet­teln und die ange­zet­tel­ten Kontakte zu wun­der­ba­ren wei­te­ren Projekten wer­den zu las­sen.

(Willi, Jonas und Anna)

PS: Wir haben wie­der ein­mal fest­ge­stellt, dass unser Name „Geheime Dramaturgische Gesellschaft“ bereits für sich als Gesprächsanlass her­vor­ra­gend funk­tio­niert.