"Enter" drücken, um zum Inhalt weiterzugehen

Kategorie: Gesprächsanstiftung

Schülertheatertreffen Sachsen 2019 – #TheaterundRaum

Sieben Gruppen von Schülerinnen und Schülern waren Ende Juni ein­ge­la­den, ihre Inszenierungen im Rahmen des STTS am Theater der jun­gen Welt Leipzig zu prä­sen­tie­ren. Mit Anna, Josephine, Saskia und Willi waren auch wir mit­ten­drin – im nun­mehr vier­ten Jahr durf­ten wir das Festival beglei­ten, haben ein Basislager errich­tet, Formate für die Gespräche unter Spielenden erdacht, Toiletten mit Fragen ver­se­hen, Festivaleindrücke in Knetfiguren ver­ar­bei­tet und beim Basslager auf­ge­legt.

Das STTS stand in die­sem Jahr unter dem Motto „Theater und Raum“. Unsere Fragen brei­te­ten sich aus, füll­ten die Ecken mit „Welchen Ort des Festivals hast bis­her nur du ent­deckt?“ und „Wer beherrscht den Raum?“. Beim Speeddating konn­ten sich die Teilnehmenden rund um das Thema (T)Raumtheater aus­tau­schen. Auf gro­ßen Planen wur­den nach den Stücken ers­te Seheindrücke ver­ewigt und beim Laberfeuer mit Himbeerbrause Probenstrukturen dis­ku­tiert. In den Gesprächen unter Spielenden wur­den raum­fül­len­de Collagen gebas­telt und Nebenräume zu Standbild-Bühnen umfunk­tio­niert. Die Box des blin­den Aktionismus war in den Pausen prä­sent und dank einer Knetstation hat das STTS jetzt ganz vie­le neue Maskottchen.

KOST, die Kooperation Schule & Theater, fei­er­te mit Torte ihren fünf­ten Geburtstag. Das Festival zeig­te, wie viel die Initiative geschafft hat – das Niveau der gezeig­ten Inszenierungen beein­druck­te uns und das Sprechen über Theater hat einen hohen und selbst­ver­ständ­li­chen Stellenwert für die Teilnehmenden.

Herzlichen Dank, dass wir auch in die­sem Jahr Teil des STTS sein durf­ten. Auf ein Neues!

Augenblick mal! – Wir sehen uns

Fünf von uns waren auf dem Augenblick Mal! Festival 2019. In der Woche vom 7.5. bis zum 12.5. gab es viel zu sehen und zu tun. Die Formate aus dem Handbuch „Zwischen Publikum und Bühne. Vermittlungsformate für die frei­en dar­stel­len­den Künstedes Performing Arts Programm Berlin wur­den in der Nachgesprächsreihe „Face it“ prä­sen­tiert.  Anna, David und Jonas haben unse­ren Beitrag zu die­sem Handbuch – die Formate „unbe­schrie­be­nes Blatt“, „Kartographie“ und „mobi­ler Nach(t)spaziergang“ – ange­lei­tet.

Auch Petra und Willi misch­ten in der Vermittlung des Augenblick Mal! mit. Mit Bierdeckelfragen, Freigetränken, Memory-Partner*innen und ande­ren Impulsen gestal­te­ten sie ein Get-Together zu Festivalbeginn. Am Samstagabend, führ­ten sie unser ers­tes Barcamp durch. Hier wur­de ein Raum geschaf­fen, alle auf dem Festival auf­ge­sto­ße­nen Themen und Fragen gen Ende des Festivals noch ein­mal auf­zu­grei­fen und zu dis­ku­tie­ren.

Besonders an Augenblick Mal! war für uns, dass wir durch die ver­schie­de­nen Aufgabenbereiche, mit denen wir auf dem Festival prä­sent waren, die beson­de­re die Chance hat­ten, uns unbe­tei­ligt gegen­sei­tig zu beob­ach­ten – Quasi eine Strukturbeobachtung der Strukturbeobachtung vor­zu­neh­men. Wir haben gro­ße Lust die ver­wen­de­ten Formate gemein­sam wei­ter zu ent­wi­ckeln. Gerne auch auf und mit dem Augenblick Mal!

Finde deine*n Partner*in!
Barcamp

»Club Convention« am Schauspiel Leipzig 2019

Vom 22.–26. Mai waren Willi und Tobias bei der »Club Convention« am Schauspiel Leipzig im Einsatz: Das Festival ver­sam­melt die neu­en Produktionen der vier Spielclubs und soll zudem den Austausch der Gruppen unter­ein­an­der ermög­li­chen. Für vier Tage gehö­ren die Bühnen und Foyers des Schauspielhauses den nicht-professionellen Spieler*innen zwi­schen 14–89 Jahren.

Gemeinsam mit einer von uns ange­lei­te­ten Gruppe von thea­ter­päd­ago­gi­schen Stipendiat*innen aus Erlangen, Hannover, Hildesheim, Merseburg und Hamburg war die Geheime Dramaturgische Gesellschaft bereits zum zwei­ten Mal in Folge ein gestal­ten­der und beob­ach­ten­der Teil des Festivals: Im Foyer der »Diskothek« schlu­gen wir unser Basislager auf, in einem mehr­tä­gi­gen Workshop erprob­ten und reflek­tier­ten wir Gesprächsformate und Feedbackmethoden wie den »Rücksitz« und das »Unbeschriebene Blatt«.

Die auf dem Festival ange­bo­te­nen Nachgespräche dien­ten uns als Beobachtungsgegenstand, um eini­ge grund­le­gen­de Fragen an thea­ter­päd­ago­gi­sche Austauschformate und Festivals wie die »Club Convention« zu stel­len: Wer spricht dort mit wem? Was ist das Ziel sol­cher Gespräche? Wer will was von wem wis­sen? Und wie las­sen sich auch auf sol­chen Festivals, bei denen das berech­tig­te Bedürfnis nach der gemein­sa­men Feier der eige­nen Arbeit im Vordergrund steht, Räume für ver­schie­de­ne Seherfahrungen und kon­struk­ti­ves Feedback schaf­fen?

Nach einer lan­gen Partynacht mit vie­len gelös­ten Gesprächen pack­ten wir unse­re Kisten wie­der zusam­men und fuh­ren mit vie­len Eindrücken und Denkanstößen nach Hause.

Als Einblick in unser Basislager, hier noch das vom Publikum der Leipziger »Club Convention« geschrie­be­ne Theater-ABC:

Auto­sug­ges­ti­on / Alltag / Augen­schmaus / Anti­ke / Alma / Anschrei­en

Bretter, die die Welt bedeu­ten / Babette / Busch / Brecht

Chemie / Chaos

Diskonebel

Elite / Emily

Fanatiker / Fantasie

Große Fragen

Hauptrollenakteur*in / Habitation

Ich, Ich, Ich, WIR / Integration

Jugendlichkeit / Jule / Jenny

Kill your Darlings! / Kleist

Licht / Liebe

Machen!!! / Materialschlacht / Marionettentheater

Nachmacher!

Ohnmachtsängste / Ooooooooh!

Pause / Performance

Quatsch / Quelle / Quodlibet

REAKTION gleich AKTION

Spaß / Spannung

Textarbeit / Toi, Toi, Toi!

Unterhaltung / Umnachtung / Umarmung

Vulgärästhetik / Vergissmeinnicht

Wettbewerb ? / Weltordnung / Werbung / Walter Zissmann

X‑malige Wiederholungen

Yves Hinrichs / Y ist immer schwie­rig

Zur-Schau-stellen / Zupfen / Zauber

Fangnetz für offe­ne Fragen
Theater – ABC
Eine Frage des Vertrauens
Nehmt doch Platz
Schau dich um. Wer fehlt hier?
Grundsitzdiskussion mit der GDG und den Stipendiat*innen
ODER?!
Wer hat noch nicht, wer will noch­mal?
Das unbe­schrie­be­ne Blatt
Bierdeckelfragen

Avant Art 2018

Bereits zum drit­ten Mal war die GDG Teil des Avant Art Festivals der frei­en Thüringer Theaterszene. Zwei pro­fes­sio­nel­le und drei Amateur-Produktionen waren ein­ge­la­den, ihre Inszenierungen im art der stadt in Gotha zu zei­gen.

Ein gro­ßer Teil des Festivals fand im „Fundament“ statt, der gera­de ent­ste­hen­den Spielstätte des thea­ters der stadt. Damit bekam auch unser Basislager dort sein Zuhause, inklu­si­ve gemal­tem Wohnzimmer mit Kamin, fal­schem Tierfell und fla­ckern­dem LED-Feuer. Da der Raum Stück für Stück reno­viert wird, durf­ten das Publikum und wir alle unfer­ti­gen Wände direkt bema­len, beschrei­ben und bekle­ben. So wur­de auf die Frage „Was unter­schei­det Profis von Amateuren?“ ein­fach mit Edding auf dem Kalk geant­wor­tet und neue Themenvorschläge in der Sprechblase „Ich will über … reden“ ange­bracht. Außerdem ver­stärk­ten eine Tag-und-Nacht-Kaffee-Station sowie eine rege Kreidestift-auf-den-Toiletten-Diskussion das Basislager. Am Samstag luden wir zu einem Long Table unter der Frage „Was kann/muss ein Festival?“.

Beim Avant Art wer­den vor Ort ein Jury- und ein Publikumspreis ver­ge­ben. Nach der letz­ten Aufführung konn­te bei uns auf die Preisträger*innen gewet­tet wer­den. Unter dem weit­hin ver­nehm­ba­ren Ruf „Wetten, Wetten, Wetten! Fun, Fun, Pfand!“ wuchs die Bieramide der gesetz­ten Bierdosen (es lag übri­gens nur eine Person mit ihrer Prophezeiung rich­tig). Parallel baten wir die Festivalgemeinschaft nach neu­en Preiskategorien und ver­teil­ten schließ­lich wäh­rend der offi­zi­el­len Preisverleihung auf Grundlage des­sen fünf Auszeichnungen, dotiert mit jeweils 25 ct (ein Dosenpfand) an die ein­ge­la­de­nen Inszenierungen.

Beste Fitness: „Verwandlung“ (Greizer Theaterherbst)

Beste Tierdarstellung durch Menschen: „Hundegrenze“ (Studio 44 Nordhausen)

Klarste Farben: „Antrag abge­lehnt“ (thea­ter der stadt gotha)

Alle 30 Themen unse­rer Zeit mit drin: „Konsequenzen“ (Tanztheater Erfurt)

Schimpfwortfülle: „Alice in Runwayland“ (stell­werk Weimar)

Wir bedan­ken uns, auch in die­sem Jahr wie­der Teil des Avant Art Festivals gewe­sen sein zu dür­fen und bli­cken gespannt auf die wei­te­ren Entwicklungen der frei­en Thüringer Theaterszene.

Eine gesprächsanstiftende Kneipentour

Bevor wir die ers­te Kneipe betre­ten, ver­su­che ich auf jede unse­rer gestem­pel­ten Fragen eine Antwort zu fin­den und goog­le nach Definitionen. Aber jetzt erst­mal drü­ber reden. Was ist Terror? Freiheit oder Sicherheit? Was hat das mit Theater zu tun? Mein ers­tes Gespräch zu die­sen Fragen ist sehr kurz. Die Gruppe ist schon im Gehen. Schwere Fragen. Alles ist Terror. Freiheit und Sicherheit. Theater wre­de+ kenn ich nicht, klingt aber gut.

Die Kneipe ist voll und laut. Es läuft Fußball. Das nächs­te Gespräch über Terror füh­re ich mit Vincent. Gehst du noch ins Stadion? Nein, aber das liegt nicht am Terror. Aber ich geh noch zu Großevents oder Weihnachtsmärkten oder so. Ohne Angst und wenn doch mal Angst dann aus Trotz erst recht. Bremen hat ein Tor geschos­sen oder nein doch nicht. Von mei­nem Platz kann ich die Leinwand nicht sehen, nur die Gesichter der Menge. Fußball schlägt Bierdeckel.

Gespräch mit dem Nebentisch. Es geht sehr viel um Gender und zumin­dest kurz um die Frage, war­um man ins Theater gehen soll, wenn man doch Netflix hat.

Zeit für einen Kneipenwechsel. Am Fenstertisch wird hit­zig über einen Deckel dis­ku­tiert. Ich kann die die Frage nicht erken­nen.

Nächste Kneipe. Ich ver­tei­le die Bierdeckel an den Tischen. Coole Aktion… Oh inter­es­sant, vom wre­de+ kommt ihr? … Spannend, da war doch heu­te auch so ne Demo. Gegen Erdogan. Das ist Terror. Also was der macht, mein ich … Ah habt ihr auch einen Stift? Klar haben wir einen Stift. An eini­gen Tischen dreht sich das Gespräch um die Bierdeckel, an ande­ren Tischen wer­den sie direkt aus­ge­füllt.

Wer wird Terrorist*in? Vielleicht ja ich. So beginnt das längs­te Gespräch mei­nes Abends. Für was wür­dest du kämp­fen? Beziehungsweise gegen wen kämpft man eigent­lich? Es geht um Protestformen, um Machtverhältnisse und die Suche nach der Wurzel alles Übels. Was heißt Freiheit? Was heißt Sicherheit? Und was hat Maslows Bedürfnispyramide damit zu tun? Die heu­ti­ge Darstellung der DDR, die welt­ver­än­dern­de Kraft von Theater und Globalisierung. Die Themen sind viel­fäl­tig und wech­seln schnell, doch die Frage nach Terror steht immer im Raum und ich fin­de im Gespräch neben­bei auch mei­ne eige­ne Terrordefinition.