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Kategorie: Gesprächsanstiftung

Fünf Dinge – Der Podcast der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft. Folge 3: Unter vielen – Wie als Gruppe arbeiten?

In der 3. Folge des Theaterpodcasts der GDG spre­chen David und Anna mit Ketie von der Stuhlkreisrevolte – Kollektiv für eman­zi­pa­to­ri­sche Bildung und Prozessbegleitung. Gemeinsam gehen sie den Schwierigkeiten und Genüssen des Arbeitens in Gruppen auf den Grund.

Dabei berich­ten sie von ihren Erfahrungen in der poli­ti­schen Bildungsarbeit und künst­le­ri­schen Gruppenprozessen, stel­len Strategien und Methoden vor und phi­lo­so­phie­ren über Kapitalismuskritik und Pommes.

Die Woche für nicht-infektiöse Begegnungsformate

Ein Erfahrungsbericht von Laura Kallenbach

Ich ver­mis­se Theater. Ich ver­mis­se die gemein­sa­me Raumerfahrung, die unru­hi­ge, erwar­tungs­vol­le Spannung bevor es los geht, bekann­te Gesichter zu tref­fen und allei­ne in der Zuschauer*innengruppe unter­zu­ge­hen, wenn das Licht schumm­ri­ger wird. Ich ver­mis­se Staubpartikel im Scheinwerferlicht, Sätze, die auf der Bühne und in mei­nem Kopf nach­hal­len, Körper, die vor mir, neben mir, hin­ter mir aktiv sind, atmen, reagie­ren, zuhö­ren, arbei­ten. Ich ver­mis­se schö­ne Menschen, die an der Bar im Foyer ste­hen und im Nachgespräch schlaue Sachen sagen und wich­ti­ge Fragen stel­len. Ich ver­mis­se Auseinandersetzung, mit mir, mit ande­ren.

Ich habe trotz­dem oder gera­de des­halb in den letz­ten Monaten weni­ge Online-Theater- Ersatzformate wahr­ge­nom­men. Kaum Inszenierungen über Plattformen gestreamt oder mich von Schauspieler*innen oder Performer*innen in ihr Wohnzimmer zu einer Lesung oder ähn­li­chem ein­la­den las­sen. Meine ein­ge­üb­te Aufmerksamkeit vor dem Bildschirm funk­tio­niert für Videomitschnitte von Inszenierungen nicht auf die sel­be Art und Weise wie für Netflix-Serien. Prozentual viel­leicht unge­fähr in dem Verhältnis in dem Theatern finan­zi­ell und tech­nisch Mittel für eine sol­che Videoproduktion gegen­über einer Filmproduktion zur Verfügung ste­hen, abzüg­lich der Ablenkung, dar­über nach­zu­den­ken, wie die Raumerfahrung, für die die­se Inszenierung eigent­lich erar­bei­tet wur­de, jetzt wohl even­tu­ell wäre, ob Streamingangebote gera­de Rettung oder Tod des Theaters bedeu­ten, ob, wie, und … Ich mach mir kurz ne Stulle.

Vor ein paar Wochen aller­dings hat­te ich durch die „Woche der nicht-infektiösen Begegnungsformate“ der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft plötz­lich einen Terminkalender vol­ler Theater-Dates, die ich alle­samt wahr­ge­nom­men habe. Zu wis­sen, dass zu den ein­zel­nen Terminen des Wochen-Spielplans meh­re­re Menschen zusam­men kom­men wer­den und die Aufführungen (unter­schied­li­cher Art) gemein­sam erle­ben wer­den, war auf jeden Fall schon mal ein ers­ter Anreiz, die­ses Format zu tes­ten. Oder eigent­lich die Formate. Die unter­schied­li­chen, offe­nen Versuchsanordnungen, Theater und vor allem Begegnung mit und über Theater in die­ser Zeit statt­fin­den zu las­sen, haben mich neu­gie­rig gemacht und mich als Mitforschende ein­ge­la­den.

Ich habe in einem Zoom-Meeting mit 30, 40 Menschen zusam­men Theater geschaut, ein TIMEOUT ein­ge­for­dert, um den Stream zu unter­bre­chen und eine Frage zur Inszenierung zu stel­len – ans Team und an die ande­ren Zuschauenden. Ich habe den Zoom-Zuschauer*innen-Raum nicht zwi­schen­zeit­lich ver­las­sen, um ande­re Dinge zu tun, son­dern mich tat­säch­lich im kol­lek­ti­ven Schauen auf den Stream (und den kom­men­tie­ren­den Chat mit den ande­ren) kon­zen­trie­ren kön­nen, mich viel­leicht auch in die­ser Konstellation stär­ker mit ver­ant­wort­lich gefühlt. Und ich habe im Nachgespräch wich­ti­ge Frage zur Inszenierung wei­ter­den­ken und bespre­chen kön­nen. Ich hat­te allei­ne
in mei­ner Wohnung sit­zend das Gefühl, gemein­sam Theater zu erle­ben. Das Video hat die Live-Aufführung nicht erset­zen kön­nen, aber das Format eine Form des gemein­sa­men Erlebens.

TIME-OUT! Ein unter­bro­che­nes Public Viewing“ zur Online-Aufführung von „Scream“ am Jungen Ensemble Stuttgart

Ich war eine Stunde spa­zie­ren und habe mich am Telefon zufäl­lig aus­ge­lost zwar nicht mit einer mir frem­den Person unter­hal­ten, aber doch als schö­ne Überraschung mit einem Menschen, den ich sonst gera­de nicht tref­fe. Ich bin durch die Straßen und den Park spa­ziert und wir haben dar­über gespro­chen, wie uns die Situation gera­de betrifft, wie wir sie wahr­neh­men und mit ihr umge­hen, ob Theater dabei gera­de eine Rolle spielt, wie und was geschaut wird, über die Zukunft des Theaters (oder eher der Theater
in ihren sehr unter­schied­li­chen insti­tu­tio­nel­len Bedingungen) spe­ku­liert und Fragen an gesell­schaft­li­che Auswirkungen die­ser Krise gestellt. Das bei einem Spaziergang zu tun, an ande­ren Menschen vor­bei­ge­hend, Umgebungsgeräusche aus­hal­tend, Außenwelt (den sehr begrenz­ten Ausschnitt des eige­nen Kiezes) wahr­neh­mend, war für mich ein gutes
Setting, sich selbst und die Themen des Gesprächs, das Sprechen über Theater in unter­schied­li­chen Kontexten, unter­schied­li­chen Lebenswirklichkeiten zu ver­or­ten und ein­zu­ord­nen. Auch im Nachdenken über das Gespräch im Nachhinein. Worüber wird gere­det und war­um gera­de jetzt?


Ich habe beim Fünf-Dinge Podcast ehr­li­che Einblicke in den aktu­el­len Alltag und das Ausprobieren von Formaten der Theater(pädagogischen) Arbeit erhal­ten, die Probleme, Chancen und Fragen glei­cher­ma­ßen offen­leg­ten. Welche Formate ent­spre­chen mei­ner künst­le­ri­schen Arbeit tat­säch­lich, wer­fen neue inter­es­san­te, for­ma­le Fragen auf und erschei­nen unter den aktu­el­len Bedingungen nicht bloß als schnel­ler digitalitäts-Aktionismus im Kampf um Sichtbarkeit? Auf wel­che gesell­schaft­li­chen Bedingungen und
unter­schied­li­chen Bedürfnisse trifft thea­ter­päd­ago­gi­sche Arbeit in die­ser Situation auch in ihrer sozia­len Verantwortung und wie kann sie auf die­se reagie­ren, ihre Ressourcen zur Verfügung stel­len und umden­ken? Und in wel­cher exis­ten­ti­el­len (Not-)Lage befin­den sich Künstler*innen selbst, die nicht nur legi­ti­miert, son­dern auch ver­langt, inne zu hal­ten, für sich selbst zu sor­gen und grund­le­gen­de Fragen an die Zukunft der eige­nen Arbeit(-sstrukturen) zu stel­len? Wesentliche Fragen, die Raum brau­chen, ver­han­delt wer­den zu kön­nen, um in die­ser Situation aus dem Reagieren in ein nach­hal­ti­ges Handeln zu kom­men.

Für die Preisverleihung zur „Selbstinszenierung der Darstellenden Künste auf ihren Social-Media-Kanälen in Zeiten von Corona“ am nächs­ten Tag hat­te der „digitalitäts-Aktionismus“ dann aber doch zumin­dest eine gro­ße Bandbreite an (teils unge­woll­ter) Unterhaltung zu bie­ten. Und die Frage, was Sichtbarkeit von Theater in Zeiten von Corona bedeu­tet oder bedeu­ten kann, hat sich noch ein­mal deut­lich gestellt.

Preisverleihung zur Selbstinszenierung der Darstellenden Künste auf ihren Social-Media-Kanälen in Zeiten von Corona

(Fast) zum Abschluss der Woche war ich dann noch ein­mal im Theater bei System Rhizomas Premiere [UN]LIMITED TRACES, eine Tanzproduktion im und für den digi­ta­len Raum mit ana­lo­gem Nachgespräch am Telefon mit einer mir bis dahin unbe­kann­ten Person. Der rote Vorhang hat sich für mich live geho­ben und zwi­schen Show-Format, Prozess-Rückschau, Publikumsinteraktion und pri­vat gefilm­ten Tanzeinlagen nach gezeich­ne­ter Anleitung habe ich ver­sucht, mich auf eines neu­es, digital-analoges Inszenierungsformat ein­zu­las­sen, mich gefreut, einen bewuss­ten
Umgang mit den aktu­el­len Inszenierungsbedingungen inner­halb der künst­le­ri­schen Form zu beob­ach­ten und beim Nachgespräch doch auch wie­der viel über das Für und Wider aktu­el­ler Ersatzversuche/Formate von Theater und die sehr ande­ren Publikumserfahrung gere­det. Und wie schön, wie­der die Möglichkeit eines sol­chen Telefon-Nachgesprächs beim Spaziergang gehabt zu haben.

Ganz zum Abschluss hat mich an einem Sonntag-Abend die ein­ge­rich­te­te Telegram-Gruppe als schö­ner, gesel­li­ger Ausklang der Woche zum Tatort-Schauen bewegt, vom vor­zei­ti­gen Abschalten abge­hal­ten und im Anschluss zu einem gemein­sa­men Spiel ein­ge­la­den.

Wenn ich auf die Zeit seit dem schaue, hat die „Woche für nicht-infektiöse
Begegnungsformate“ für mich defi­ni­tiv Motivation geschaf­fen, zum einen online Angebote wenn, dann nicht allei­ne son­dern mit ande­ren zusam­men über Video-Konferenzen oder Gruppen-Chats wahr­zu­neh­men und zu dis­ku­tie­ren und zum ande­ren wei­ter Fragen an Formate, Zugänge zu Kunst und nach­hal­ti­ge Zukunftsperspektiven zu stel­len und zu den­ken. Gerade in der Frage nach spe­zi­fisch gestal­te­ten und mode­rier­ten Begegnungsformaten für den digi­ta­len Raum aber auch dar­über hin­aus unter den Bedingungen von Kontaktbeschränkungen hat die­se Woche wich­ti­ge Impulse gege­ben und ich sehe unter den zahl­lo­sen Online-Veranstaltungen nach und nach mehr, die den Fokus genau auf die Bedingungen und Möglichkeiten sol­cher neu­en Formate legen.
Dieser Schritt (zurück), der auch mit­be­denkt, dass es für sol­che Formate Expert*innen benö­tigt, die nicht zwin­gend Theaterschaffende sind, scheint mir ein wich­ti­ger.


Laura Kallenbach ist Gründungsmitglied von CHICKS* frei­es per­for­mance­kol­lek­tiv und seit­dem regel­mä­ßig als Dramaturgin an Produktionen des Kollektivs betei­ligt. Seit 2019 pro­mo­viert sie an der Universität Hildesheim zum Thema „Doing Gender als ästhe­ti­sche Praxis in der Theaterpädagogik.

Auf Spuren von „[un]limited traces“

Im Anschluss an die Online-Premiere von „[un]limited traces“ von System Rhizoma luden wir das Publikum und das künst­le­ri­sche Team ein, das Aufführungserlebnis in einem Telefongespräch mit einer (noch) unbe­kann­ten Person spa­zie­rend nach­wir­ken zu las­sen.

Ausgehend von der Live-Cam Performance, der dar­in ein­ge­bet­te­ten Videopremiere und unse­ren Inspirationsfragen sind Spaziergangspärchen mit größt­mög­li­chen kör­per­li­chen Abstand in leb­haf­ten inhaltlich-ästhetischen Austausch durch ganz Deutschland gewan­delt. Köln, Braunschweig, Berlin, Hamburg, Weimar und vie­le Städte mehr ver­ban­den sich zu einem inten­si­ven Gesprächsnetz über die soeben gese­hen Aufführung.

Schülertheatertreffen Sachsen 2019 – #TheaterundRaum

Sieben Gruppen von Schülerinnen und Schülern waren Ende Juni ein­ge­la­den, ihre Inszenierungen im Rahmen des STTS am Theater der jun­gen Welt Leipzig zu prä­sen­tie­ren. Mit Anna, Josephine, Saskia und Willi waren auch wir mit­ten­drin – im nun­mehr vier­ten Jahr durf­ten wir das Festival beglei­ten, haben ein Basislager errich­tet, Formate für die Gespräche unter Spielenden erdacht, Toiletten mit Fragen ver­se­hen, Festivaleindrücke in Knetfiguren ver­ar­bei­tet und beim Basslager auf­ge­legt.

Das STTS stand in die­sem Jahr unter dem Motto „Theater und Raum“. Unsere Fragen brei­te­ten sich aus, füll­ten die Ecken mit „Welchen Ort des Festivals hast bis­her nur du ent­deckt?“ und „Wer beherrscht den Raum?“. Beim Speeddating konn­ten sich die Teilnehmenden rund um das Thema (T)Raumtheater aus­tau­schen. Auf gro­ßen Planen wur­den nach den Stücken ers­te Seheindrücke ver­ewigt und beim Laberfeuer mit Himbeerbrause Probenstrukturen dis­ku­tiert. In den Gesprächen unter Spielenden wur­den raum­fül­len­de Collagen gebas­telt und Nebenräume zu Standbild-Bühnen umfunk­tio­niert. Die Box des blin­den Aktionismus war in den Pausen prä­sent und dank einer Knetstation hat das STTS jetzt ganz vie­le neue Maskottchen.

KOST, die Kooperation Schule & Theater, fei­er­te mit Torte ihren fünf­ten Geburtstag. Das Festival zeig­te, wie viel die Initiative geschafft hat – das Niveau der gezeig­ten Inszenierungen beein­druck­te uns und das Sprechen über Theater hat einen hohen und selbst­ver­ständ­li­chen Stellenwert für die Teilnehmenden.

Herzlichen Dank, dass wir auch in die­sem Jahr Teil des STTS sein durf­ten. Auf ein Neues!

Augenblick mal! – Wir sehen uns

Fünf von uns waren auf dem Augenblick Mal! Festival 2019. In der Woche vom 7.5. bis zum 12.5. gab es viel zu sehen und zu tun. Die Formate aus dem Handbuch „Zwischen Publikum und Bühne. Vermittlungsformate für die frei­en dar­stel­len­den Künstedes Performing Arts Programm Berlin wur­den in der Nachgesprächsreihe „Face it“ prä­sen­tiert.  Anna, David und Jonas haben unse­ren Beitrag zu die­sem Handbuch – die Formate „unbe­schrie­be­nes Blatt“, „Kartographie“ und „mobi­ler Nach(t)spaziergang“ – ange­lei­tet.

Auch Petra und Willi misch­ten in der Vermittlung des Augenblick Mal! mit. Mit Bierdeckelfragen, Freigetränken, Memory-Partner*innen und ande­ren Impulsen gestal­te­ten sie ein Get-Together zu Festivalbeginn. Am Samstagabend, führ­ten sie unser ers­tes Barcamp durch. Hier wur­de ein Raum geschaf­fen, alle auf dem Festival auf­ge­sto­ße­nen Themen und Fragen gen Ende des Festivals noch ein­mal auf­zu­grei­fen und zu dis­ku­tie­ren.

Besonders an Augenblick Mal! war für uns, dass wir durch die ver­schie­de­nen Aufgabenbereiche, mit denen wir auf dem Festival prä­sent waren, die beson­de­re die Chance hat­ten, uns unbe­tei­ligt gegen­sei­tig zu beob­ach­ten – Quasi eine Strukturbeobachtung der Strukturbeobachtung vor­zu­neh­men. Wir haben gro­ße Lust die ver­wen­de­ten Formate gemein­sam wei­ter zu ent­wi­ckeln. Gerne auch auf und mit dem Augenblick Mal!

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Barcamp

»Club Convention« am Schauspiel Leipzig 2019

Vom 22.–26. Mai waren Willi und Tobias bei der »Club Convention« am Schauspiel Leipzig im Einsatz: Das Festival ver­sam­melt die neu­en Produktionen der vier Spielclubs und soll zudem den Austausch der Gruppen unter­ein­an­der ermög­li­chen. Für vier Tage gehö­ren die Bühnen und Foyers des Schauspielhauses den nicht-professionellen Spieler*innen zwi­schen 14–89 Jahren.

Gemeinsam mit einer von uns ange­lei­te­ten Gruppe von thea­ter­päd­ago­gi­schen Stipendiat*innen aus Erlangen, Hannover, Hildesheim, Merseburg und Hamburg war die Geheime Dramaturgische Gesellschaft bereits zum zwei­ten Mal in Folge ein gestal­ten­der und beob­ach­ten­der Teil des Festivals: Im Foyer der »Diskothek« schlu­gen wir unser Basislager auf, in einem mehr­tä­gi­gen Workshop erprob­ten und reflek­tier­ten wir Gesprächsformate und Feedbackmethoden wie den »Rücksitz« und das »Unbeschriebene Blatt«.

Die auf dem Festival ange­bo­te­nen Nachgespräche dien­ten uns als Beobachtungsgegenstand, um eini­ge grund­le­gen­de Fragen an thea­ter­päd­ago­gi­sche Austauschformate und Festivals wie die »Club Convention« zu stel­len: Wer spricht dort mit wem? Was ist das Ziel sol­cher Gespräche? Wer will was von wem wis­sen? Und wie las­sen sich auch auf sol­chen Festivals, bei denen das berech­tig­te Bedürfnis nach der gemein­sa­men Feier der eige­nen Arbeit im Vordergrund steht, Räume für ver­schie­de­ne Seherfahrungen und kon­struk­ti­ves Feedback schaf­fen?

Nach einer lan­gen Partynacht mit vie­len gelös­ten Gesprächen pack­ten wir unse­re Kisten wie­der zusam­men und fuh­ren mit vie­len Eindrücken und Denkanstößen nach Hause.

Als Einblick in unser Basislager, hier noch das vom Publikum der Leipziger »Club Convention« geschrie­be­ne Theater-ABC:

Auto­sug­ges­ti­on / Alltag / Augen­schmaus / Anti­ke / Alma / Anschrei­en

Bretter, die die Welt bedeu­ten / Babette / Busch / Brecht

Chemie / Chaos

Diskonebel

Elite / Emily

Fanatiker / Fantasie

Große Fragen

Hauptrollenakteur*in / Habitation

Ich, Ich, Ich, WIR / Integration

Jugendlichkeit / Jule / Jenny

Kill your Darlings! / Kleist

Licht / Liebe

Machen!!! / Materialschlacht / Marionettentheater

Nachmacher!

Ohnmachtsängste / Ooooooooh!

Pause / Performance

Quatsch / Quelle / Quodlibet

REAKTION gleich AKTION

Spaß / Spannung

Textarbeit / Toi, Toi, Toi!

Unterhaltung / Umnachtung / Umarmung

Vulgärästhetik / Vergissmeinnicht

Wettbewerb ? / Weltordnung / Werbung / Walter Zissmann

X‑malige Wiederholungen

Yves Hinrichs / Y ist immer schwie­rig

Zur-Schau-stellen / Zupfen / Zauber

Fangnetz für offe­ne Fragen
Theater – ABC
Eine Frage des Vertrauens
Nehmt doch Platz
Schau dich um. Wer fehlt hier?
Grundsitzdiskussion mit der GDG und den Stipendiat*innen
ODER?!
Wer hat noch nicht, wer will noch­mal?
Das unbe­schrie­be­ne Blatt
Bierdeckelfragen

Avant Art 2018

Bereits zum drit­ten Mal war die GDG Teil des Avant Art Festivals der frei­en Thüringer Theaterszene. Zwei pro­fes­sio­nel­le und drei Amateur-Produktionen waren ein­ge­la­den, ihre Inszenierungen im art der stadt in Gotha zu zei­gen.

Ein gro­ßer Teil des Festivals fand im „Fundament“ statt, der gera­de ent­ste­hen­den Spielstätte des thea­ters der stadt. Damit bekam auch unser Basislager dort sein Zuhause, inklu­si­ve gemal­tem Wohnzimmer mit Kamin, fal­schem Tierfell und fla­ckern­dem LED-Feuer. Da der Raum Stück für Stück reno­viert wird, durf­ten das Publikum und wir alle unfer­ti­gen Wände direkt bema­len, beschrei­ben und bekle­ben. So wur­de auf die Frage „Was unter­schei­det Profis von Amateuren?“ ein­fach mit Edding auf dem Kalk geant­wor­tet und neue Themenvorschläge in der Sprechblase „Ich will über … reden“ ange­bracht. Außerdem ver­stärk­ten eine Tag-und-Nacht-Kaffee-Station sowie eine rege Kreidestift-auf-den-Toiletten-Diskussion das Basislager. Am Samstag luden wir zu einem Long Table unter der Frage „Was kann/muss ein Festival?“.

Beim Avant Art wer­den vor Ort ein Jury- und ein Publikumspreis ver­ge­ben. Nach der letz­ten Aufführung konn­te bei uns auf die Preisträger*innen gewet­tet wer­den. Unter dem weit­hin ver­nehm­ba­ren Ruf „Wetten, Wetten, Wetten! Fun, Fun, Pfand!“ wuchs die Bieramide der gesetz­ten Bierdosen (es lag übri­gens nur eine Person mit ihrer Prophezeiung rich­tig). Parallel baten wir die Festivalgemeinschaft nach neu­en Preiskategorien und ver­teil­ten schließ­lich wäh­rend der offi­zi­el­len Preisverleihung auf Grundlage des­sen fünf Auszeichnungen, dotiert mit jeweils 25 ct (ein Dosenpfand) an die ein­ge­la­de­nen Inszenierungen.

Beste Fitness: „Verwandlung“ (Greizer Theaterherbst)

Beste Tierdarstellung durch Menschen: „Hundegrenze“ (Studio 44 Nordhausen)

Klarste Farben: „Antrag abge­lehnt“ (thea­ter der stadt gotha)

Alle 30 Themen unse­rer Zeit mit drin: „Konsequenzen“ (Tanztheater Erfurt)

Schimpfwortfülle: „Alice in Runwayland“ (stell­werk Weimar)

Wir bedan­ken uns, auch in die­sem Jahr wie­der Teil des Avant Art Festivals gewe­sen sein zu dür­fen und bli­cken gespannt auf die wei­te­ren Entwicklungen der frei­en Thüringer Theaterszene.

Eine gesprächsanstiftende Kneipentour

Bevor wir die ers­te Kneipe betre­ten, ver­su­che ich auf jede unse­rer gestem­pel­ten Fragen eine Antwort zu fin­den und goog­le nach Definitionen. Aber jetzt erst­mal drü­ber reden. Was ist Terror? Freiheit oder Sicherheit? Was hat das mit Theater zu tun? Mein ers­tes Gespräch zu die­sen Fragen ist sehr kurz. Die Gruppe ist schon im Gehen. Schwere Fragen. Alles ist Terror. Freiheit und Sicherheit. Theater wre­de+ kenn ich nicht, klingt aber gut.

Die Kneipe ist voll und laut. Es läuft Fußball. Das nächs­te Gespräch über Terror füh­re ich mit Vincent. Gehst du noch ins Stadion? Nein, aber das liegt nicht am Terror. Aber ich geh noch zu Großevents oder Weihnachtsmärkten oder so. Ohne Angst und wenn doch mal Angst dann aus Trotz erst recht. Bremen hat ein Tor geschos­sen oder nein doch nicht. Von mei­nem Platz kann ich die Leinwand nicht sehen, nur die Gesichter der Menge. Fußball schlägt Bierdeckel.

Gespräch mit dem Nebentisch. Es geht sehr viel um Gender und zumin­dest kurz um die Frage, war­um man ins Theater gehen soll, wenn man doch Netflix hat.

Zeit für einen Kneipenwechsel. Am Fenstertisch wird hit­zig über einen Deckel dis­ku­tiert. Ich kann die die Frage nicht erken­nen.

Nächste Kneipe. Ich ver­tei­le die Bierdeckel an den Tischen. Coole Aktion… Oh inter­es­sant, vom wre­de+ kommt ihr? … Spannend, da war doch heu­te auch so ne Demo. Gegen Erdogan. Das ist Terror. Also was der macht, mein ich … Ah habt ihr auch einen Stift? Klar haben wir einen Stift. An eini­gen Tischen dreht sich das Gespräch um die Bierdeckel, an ande­ren Tischen wer­den sie direkt aus­ge­füllt.

Wer wird Terrorist*in? Vielleicht ja ich. So beginnt das längs­te Gespräch mei­nes Abends. Für was wür­dest du kämp­fen? Beziehungsweise gegen wen kämpft man eigent­lich? Es geht um Protestformen, um Machtverhältnisse und die Suche nach der Wurzel alles Übels. Was heißt Freiheit? Was heißt Sicherheit? Und was hat Maslows Bedürfnispyramide damit zu tun? Die heu­ti­ge Darstellung der DDR, die welt­ver­än­dern­de Kraft von Theater und Globalisierung. Die Themen sind viel­fäl­tig und wech­seln schnell, doch die Frage nach Terror steht immer im Raum und ich fin­de im Gespräch neben­bei auch mei­ne eige­ne Terrordefinition.