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Kategorie: Forschung und Austausch

Fünf Dinge – Der Podcast der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft. Folge 3: Unter vielen – Wie als Gruppe arbeiten?

In der 3. Folge des Theaterpodcasts der GDG spre­chen David und Anna mit Ketie von der Stuhlkreisrevolte – Kollektiv für eman­zi­pa­to­ri­sche Bildung und Prozessbegleitung. Gemeinsam gehen sie den Schwierigkeiten und Genüssen des Arbeitens in Gruppen auf den Grund.

Dabei berich­ten sie von ihren Erfahrungen in der poli­ti­schen Bildungsarbeit und künst­le­ri­schen Gruppenprozessen, stel­len Strategien und Methoden vor und phi­lo­so­phie­ren über Kapitalismuskritik und Pommes.

Fünf Dinge – Der Podcast der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft. Folge 2: Herrschaftskritik durch Formatgestaltung

Herrschaftskritik? Ein gro­ßes Wort, aber was heißt das eigent­lich? Und wie kann das aus­se­hen? In der zwei­ten Folge unse­res Podcasts „5 Dinge“ spre­chen wir mit Verena Häseler (herr*krit), Emilia de Fries & Anabel Hogefeld (Initiative für Solidarität am Theater) über Gesprächs‑, Begegnungs- und Austauschformate, mit denen sich Herrschaftskritik nicht nur den­ken und dis­ku­tie­ren, son­dern vor allem prak­tisch gestal­ten lässt.

Die Woche für nicht-infektiöse Begegnungsformate

Ein Erfahrungsbericht von Laura Kallenbach

Ich ver­mis­se Theater. Ich ver­mis­se die gemein­sa­me Raumerfahrung, die unru­hi­ge, erwar­tungs­vol­le Spannung bevor es los geht, bekann­te Gesichter zu tref­fen und allei­ne in der Zuschauer*innengruppe unter­zu­ge­hen, wenn das Licht schumm­ri­ger wird. Ich ver­mis­se Staubpartikel im Scheinwerferlicht, Sätze, die auf der Bühne und in mei­nem Kopf nach­hal­len, Körper, die vor mir, neben mir, hin­ter mir aktiv sind, atmen, reagie­ren, zuhö­ren, arbei­ten. Ich ver­mis­se schö­ne Menschen, die an der Bar im Foyer ste­hen und im Nachgespräch schlaue Sachen sagen und wich­ti­ge Fragen stel­len. Ich ver­mis­se Auseinandersetzung, mit mir, mit ande­ren.

Ich habe trotz­dem oder gera­de des­halb in den letz­ten Monaten weni­ge Online-Theater- Ersatzformate wahr­ge­nom­men. Kaum Inszenierungen über Plattformen gestreamt oder mich von Schauspieler*innen oder Performer*innen in ihr Wohnzimmer zu einer Lesung oder ähn­li­chem ein­la­den las­sen. Meine ein­ge­üb­te Aufmerksamkeit vor dem Bildschirm funk­tio­niert für Videomitschnitte von Inszenierungen nicht auf die sel­be Art und Weise wie für Netflix-Serien. Prozentual viel­leicht unge­fähr in dem Verhältnis in dem Theatern finan­zi­ell und tech­nisch Mittel für eine sol­che Videoproduktion gegen­über einer Filmproduktion zur Verfügung ste­hen, abzüg­lich der Ablenkung, dar­über nach­zu­den­ken, wie die Raumerfahrung, für die die­se Inszenierung eigent­lich erar­bei­tet wur­de, jetzt wohl even­tu­ell wäre, ob Streamingangebote gera­de Rettung oder Tod des Theaters bedeu­ten, ob, wie, und … Ich mach mir kurz ne Stulle.

Vor ein paar Wochen aller­dings hat­te ich durch die „Woche der nicht-infektiösen Begegnungsformate“ der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft plötz­lich einen Terminkalender vol­ler Theater-Dates, die ich alle­samt wahr­ge­nom­men habe. Zu wis­sen, dass zu den ein­zel­nen Terminen des Wochen-Spielplans meh­re­re Menschen zusam­men kom­men wer­den und die Aufführungen (unter­schied­li­cher Art) gemein­sam erle­ben wer­den, war auf jeden Fall schon mal ein ers­ter Anreiz, die­ses Format zu tes­ten. Oder eigent­lich die Formate. Die unter­schied­li­chen, offe­nen Versuchsanordnungen, Theater und vor allem Begegnung mit und über Theater in die­ser Zeit statt­fin­den zu las­sen, haben mich neu­gie­rig gemacht und mich als Mitforschende ein­ge­la­den.

Ich habe in einem Zoom-Meeting mit 30, 40 Menschen zusam­men Theater geschaut, ein TIMEOUT ein­ge­for­dert, um den Stream zu unter­bre­chen und eine Frage zur Inszenierung zu stel­len – ans Team und an die ande­ren Zuschauenden. Ich habe den Zoom-Zuschauer*innen-Raum nicht zwi­schen­zeit­lich ver­las­sen, um ande­re Dinge zu tun, son­dern mich tat­säch­lich im kol­lek­ti­ven Schauen auf den Stream (und den kom­men­tie­ren­den Chat mit den ande­ren) kon­zen­trie­ren kön­nen, mich viel­leicht auch in die­ser Konstellation stär­ker mit ver­ant­wort­lich gefühlt. Und ich habe im Nachgespräch wich­ti­ge Frage zur Inszenierung wei­ter­den­ken und bespre­chen kön­nen. Ich hat­te allei­ne
in mei­ner Wohnung sit­zend das Gefühl, gemein­sam Theater zu erle­ben. Das Video hat die Live-Aufführung nicht erset­zen kön­nen, aber das Format eine Form des gemein­sa­men Erlebens.

TIME-OUT! Ein unter­bro­che­nes Public Viewing“ zur Online-Aufführung von „Scream“ am Jungen Ensemble Stuttgart

Ich war eine Stunde spa­zie­ren und habe mich am Telefon zufäl­lig aus­ge­lost zwar nicht mit einer mir frem­den Person unter­hal­ten, aber doch als schö­ne Überraschung mit einem Menschen, den ich sonst gera­de nicht tref­fe. Ich bin durch die Straßen und den Park spa­ziert und wir haben dar­über gespro­chen, wie uns die Situation gera­de betrifft, wie wir sie wahr­neh­men und mit ihr umge­hen, ob Theater dabei gera­de eine Rolle spielt, wie und was geschaut wird, über die Zukunft des Theaters (oder eher der Theater
in ihren sehr unter­schied­li­chen insti­tu­tio­nel­len Bedingungen) spe­ku­liert und Fragen an gesell­schaft­li­che Auswirkungen die­ser Krise gestellt. Das bei einem Spaziergang zu tun, an ande­ren Menschen vor­bei­ge­hend, Umgebungsgeräusche aus­hal­tend, Außenwelt (den sehr begrenz­ten Ausschnitt des eige­nen Kiezes) wahr­neh­mend, war für mich ein gutes
Setting, sich selbst und die Themen des Gesprächs, das Sprechen über Theater in unter­schied­li­chen Kontexten, unter­schied­li­chen Lebenswirklichkeiten zu ver­or­ten und ein­zu­ord­nen. Auch im Nachdenken über das Gespräch im Nachhinein. Worüber wird gere­det und war­um gera­de jetzt?


Ich habe beim Fünf-Dinge Podcast ehr­li­che Einblicke in den aktu­el­len Alltag und das Ausprobieren von Formaten der Theater(pädagogischen) Arbeit erhal­ten, die Probleme, Chancen und Fragen glei­cher­ma­ßen offen­leg­ten. Welche Formate ent­spre­chen mei­ner künst­le­ri­schen Arbeit tat­säch­lich, wer­fen neue inter­es­san­te, for­ma­le Fragen auf und erschei­nen unter den aktu­el­len Bedingungen nicht bloß als schnel­ler digitalitäts-Aktionismus im Kampf um Sichtbarkeit? Auf wel­che gesell­schaft­li­chen Bedingungen und
unter­schied­li­chen Bedürfnisse trifft thea­ter­päd­ago­gi­sche Arbeit in die­ser Situation auch in ihrer sozia­len Verantwortung und wie kann sie auf die­se reagie­ren, ihre Ressourcen zur Verfügung stel­len und umden­ken? Und in wel­cher exis­ten­ti­el­len (Not-)Lage befin­den sich Künstler*innen selbst, die nicht nur legi­ti­miert, son­dern auch ver­langt, inne zu hal­ten, für sich selbst zu sor­gen und grund­le­gen­de Fragen an die Zukunft der eige­nen Arbeit(-sstrukturen) zu stel­len? Wesentliche Fragen, die Raum brau­chen, ver­han­delt wer­den zu kön­nen, um in die­ser Situation aus dem Reagieren in ein nach­hal­ti­ges Handeln zu kom­men.

Für die Preisverleihung zur „Selbstinszenierung der Darstellenden Künste auf ihren Social-Media-Kanälen in Zeiten von Corona“ am nächs­ten Tag hat­te der „digitalitäts-Aktionismus“ dann aber doch zumin­dest eine gro­ße Bandbreite an (teils unge­woll­ter) Unterhaltung zu bie­ten. Und die Frage, was Sichtbarkeit von Theater in Zeiten von Corona bedeu­tet oder bedeu­ten kann, hat sich noch ein­mal deut­lich gestellt.

Preisverleihung zur Selbstinszenierung der Darstellenden Künste auf ihren Social-Media-Kanälen in Zeiten von Corona

(Fast) zum Abschluss der Woche war ich dann noch ein­mal im Theater bei System Rhizomas Premiere [UN]LIMITED TRACES, eine Tanzproduktion im und für den digi­ta­len Raum mit ana­lo­gem Nachgespräch am Telefon mit einer mir bis dahin unbe­kann­ten Person. Der rote Vorhang hat sich für mich live geho­ben und zwi­schen Show-Format, Prozess-Rückschau, Publikumsinteraktion und pri­vat gefilm­ten Tanzeinlagen nach gezeich­ne­ter Anleitung habe ich ver­sucht, mich auf eines neu­es, digital-analoges Inszenierungsformat ein­zu­las­sen, mich gefreut, einen bewuss­ten
Umgang mit den aktu­el­len Inszenierungsbedingungen inner­halb der künst­le­ri­schen Form zu beob­ach­ten und beim Nachgespräch doch auch wie­der viel über das Für und Wider aktu­el­ler Ersatzversuche/Formate von Theater und die sehr ande­ren Publikumserfahrung gere­det. Und wie schön, wie­der die Möglichkeit eines sol­chen Telefon-Nachgesprächs beim Spaziergang gehabt zu haben.

Ganz zum Abschluss hat mich an einem Sonntag-Abend die ein­ge­rich­te­te Telegram-Gruppe als schö­ner, gesel­li­ger Ausklang der Woche zum Tatort-Schauen bewegt, vom vor­zei­ti­gen Abschalten abge­hal­ten und im Anschluss zu einem gemein­sa­men Spiel ein­ge­la­den.

Wenn ich auf die Zeit seit dem schaue, hat die „Woche für nicht-infektiöse
Begegnungsformate“ für mich defi­ni­tiv Motivation geschaf­fen, zum einen online Angebote wenn, dann nicht allei­ne son­dern mit ande­ren zusam­men über Video-Konferenzen oder Gruppen-Chats wahr­zu­neh­men und zu dis­ku­tie­ren und zum ande­ren wei­ter Fragen an Formate, Zugänge zu Kunst und nach­hal­ti­ge Zukunftsperspektiven zu stel­len und zu den­ken. Gerade in der Frage nach spe­zi­fisch gestal­te­ten und mode­rier­ten Begegnungsformaten für den digi­ta­len Raum aber auch dar­über hin­aus unter den Bedingungen von Kontaktbeschränkungen hat die­se Woche wich­ti­ge Impulse gege­ben und ich sehe unter den zahl­lo­sen Online-Veranstaltungen nach und nach mehr, die den Fokus genau auf die Bedingungen und Möglichkeiten sol­cher neu­en Formate legen.
Dieser Schritt (zurück), der auch mit­be­denkt, dass es für sol­che Formate Expert*innen benö­tigt, die nicht zwin­gend Theaterschaffende sind, scheint mir ein wich­ti­ger.


Laura Kallenbach ist Gründungsmitglied von CHICKS* frei­es per­for­mance­kol­lek­tiv und seit­dem regel­mä­ßig als Dramaturgin an Produktionen des Kollektivs betei­ligt. Seit 2019 pro­mo­viert sie an der Universität Hildesheim zum Thema „Doing Gender als ästhe­ti­sche Praxis in der Theaterpädagogik.

Fünf Dinge – Der Theaterpodcast der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft. Folge 1: Sinn & Unsinn von digitalen Theaterangeboten

Wir prä­sen­tie­ren unse­ren haus­ei­ge­nen Podcast der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft: „Fünf Dinge“. In jeder Episode tau­schen wir uns mit einem Gast über Kunstvermittlung, Beteiligung und Gesprächsgestaltung aus. In unse­rem Auftakt spre­chen Josephine Hock und David Vogel mit Malte Andritter vom Jungen Volkstheater Wien über „Sinn & Unsinn von digi­ta­len Theaterangeboten“. Wir freu­en uns über Eure Reaktionen.

Fachtreffen „Von Begegnung, Vermittlung und kultureller Teilhabe“ in Wolfenbüttel

Der Bundesverband Freie Darstellende Künste lud Mitte November  in die Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel ein, um sich für vier Tage dem Thema Vermitttlungskunst zu wid­men, in Austausch zu tre­ten und Theorie und Praxis mit­ein­an­der zu dis­ku­tie­ren. Auch wir waren ein­ge­la­den, uns mit einem Impuls zu betei­li­gen. David und Josephine stell­ten unter dem Titel „Vertraut auf die Kunst und das Publikum“ das GDG-Konzept der Gesprächsarchitekturen vor.

Skulpturen des unbe­schrie­be­nen Blattes

So wur­den beim „Rücksitz“ indi­vi­du­el­le Vermittlungsbegriffe bespro­chen, in einem kur­zen Vortrag der Umgang der GDG mit den dar­an geknüpf­ten Fragen erläu­tert und anschlie­ßend mit Hilfe des „Unbeschriebenen Blattes XXL“ über­legt, wel­che Bezugsgruppen eigent­lich wel­ches Interesse an Vermittlung haben. Im Fahrstuhl wur­de notiert, wor­über wir noch spre­chen müs­sen und auf den Toiletten alter­na­ti­ve Begriffe für Vermittlung gesucht (Vorschläge z.B.: Anstiftung zur Selbstermächtigung und Lebenskunst, Kontaktanbahnung, Zugang, Irritation, Einstimmung, Erfahrung).

Es war wun­der­bar, Teil die­ses inten­si­ven Austauschs gewe­sen zu sein, span­nen­de Denkimpulse bekom­men zu haben und tol­le Kolleg*innen ken­nen gelernt haben zu dür­fen. Das Treffen war der Auftakt des Programms „Performing Exchange“ – wir sind gespannt und freu­en uns sehr auf die noch kom­men­den Veranstaltungen der Reihe.

Autorin: Josephine Hock

Worüber müssen wir nicht mehr reden? Worüber müssen wir jetzt noch reden?

Für einen Teil von uns – zumin­dest die­je­ni­gen von uns, die in Hildesheim stu­diert haben – ist das stu­den­ti­sche Diskurs-Festival State of the Art wohl einer der Gründe dafür, war­um wir uns jetzt mit Gesprächskultur und Nachgesprächen beschäf­ti­gen. Vom 19. – 21. Oktober fand es zum 9. mal statt und mit Jonas ist die GDG Teil des­sen gewe­sen.

Anlass dafür war die Zusammenarbeit des State of the Art mit dem Performing Arts Programm Berlin. Das Handbuchprojekt, bei dem auch wir Teil sind, wur­de von Nathalie Frank in einer Podiumsdiskussion über Theatervermittlung vor­ge­stellt und vier der acht Nachgesprächsformate aus die­sem Projekt wur­den auf dem State durch­ge­führt. Darunter auch zwei von uns.

Zu der Produktion „Das Vaterunser“ hat Jonas jeweils ein­mal die „Kartographie“ und „Das unbe­schrie­be­ne Blatt“ durch­ge­führt. Beides mit bis­her unge­ahn­ten Teilnehmendenzahlen von knapp 60 Menschen. Für die Kartographie geht das sehr gut auf und die Bühne ist danach gepflas­tert mit Post-Its. Dem unbe­schrie­be­nen Blatt, so die Erfahrung nach dem State,  tut es auf jeden Fall gut mit weni­ger Menschen durch­ge­führt zu wer­den – wenn auch das Papierreißen von 60 Händepaaren in einem ansons­ten stil­len Raum eine wun­der­ba­re Geräuschkulisse schafft. Für bei­de Formate haben wir auf­grund der Erfahrung der vor­he­ri­gen Testläufen geschraubt und neu­es aus­pro­biert. Auch jetzt fin­den sich mög­li­che aber teil­wei­se auch noch nöti­ge Variationen, die wir bei wei­te­ren Testläufen erpro­ben wer­den.

Jonas hat zudem die Podiumsdiskussion unter der Moderation von Michael Kranixfeld, bei der neben Nathalie Frank auch Prof. Birgit Mandel, Prof. Christoph Lutz-Scheuerle und Prof. Jens Roselt mit auf dem Podium spra­chen beob­ach­tet und durf­te sie unter den Fragen „Worüber müs­sen wir nicht mehr reden?“ und „Worüber müs­sen wir jetzt noch reden?“ abschlie­ßen.


Niederschrift des Abschlusses der Podiumsdiskussion (auf­grund des feh­len­den Kontexts der vor­her­ge­gan­ge­nen Podiumsdiskussion leicht ange­passt):

Wir müs­sen nicht mehr dar­über reden, dass der Vermittlungsbegriff divers ist. Wir müs­sen auch nicht mehr dar­über reden, dass es diver­se Theaterverständnisse gibt. Wir müs­sen aller­dings immer wie­der dar­über spre­chen, was wir mei­nen, wenn wir von Vermittlung spre­chen. Wir müs­sen immer wie­der dar­über reden, was wir mei­nen, wenn wir über Theater spre­chen. 

Das Gespräch auf dem Podium hat sich vor allem dem Theater als Institution und deren Vermittlung gewid­met. Ich möch­te nun den Bogen schla­gen zurück zum Anfang, zu den Nachgesprächsformaten des PAP aber noch viel mehr zu dem vor uns lie­gen­den Festival und zu den Gesprächsformaten hier auf dem State of the Art.

Wir müs­sen uns immer wie­der fra­gen: Wer sind die Akteur*innen die­ser Gespräche? Wer sind wir, die wir die­se Gespräche durch­füh­ren und was ist unser Anliegen? Wir sind kei­ne Institutionen, wir sind auch kei­ne Künstler*innen – zumin­dest nicht die­je­ni­gen deren Aufführungen wir gera­de bespre­chen. Sind wir viel­mehr Publikum, das für das Publikum ein Format anbie­tet um ins Gespräch zu kom­men? Wer spricht hier eigent­lich mit wem? Ist das Gespräch über­haupt die adäqua­te Form und war­um spre­chen wir immer nur danach, aber nicht davor oder wäh­rend­des­sen? Wie ver­mit­teln wir Gesprächskultur, über was spre­chen wir und haben wir über­haupt gemein­sa­me Begriffe?

Abschließend habe ich ein kur­zes Plädoyer for­mu­liert, das ich an uns alle rich­ten möch­te: Die Künstler*innen haben etwas prä­sen­tiert. Sie haben Position bezo­gen und sich damit angreif­bar gemacht. Wie kom­men wir dar­auf anzu­neh­men, die­se Stellungnahme im Nachgang auch noch mund­ge­recht erklärt zu bekom­men? Wie kom­men wir dar­auf, noch mehr von den Künstler*innen zu for­dern? Die Künstler*innen haben die Aufführung been­det. Nun ist es an uns Stellung zu bezie­hen. Nun ist es an uns, uns angreif­bar zu machen. Dann kön­nen wir in Dialog tre­ten.

Fachtagung „Anzetteln – Was kommt eigentlich nach Worldcafé und Fishbowl?“

Vom 20.–21. Juni 2017 in Wolfenbüttel.

Eine Tagung, in der es ums Anzetteln von Gesprächen gehen soll, hat uns als Gruppe pro­fes­sio­nel­ler Gesprächsanstiftender natür­lich beson­ders gereizt. Dann gab es da noch die­sen „call for methods“
bei dem „Studierende, Künstler_innen, Kulturschaffende und Kulturvermittler_innen“ ein­ge­la­den wur­den, „ihre Arbeit und ihre Gedanken zum Thema Neue Formate in der Kulturellen Bildung auf künst­le­ri­sche Art und Weise zu prä­sen­tie­ren“.

Wir ent­schlos­sen uns dazu, unser Urformat, das „Basislager“, ein­zu­rei­chen und waren froh dar­über, das „Basislager“ als „dura­tio­nal, Aufenthalts‑, Erholungs‑, Begegnungs‑, Dokumentations‑, Partizipations- und Diskursort“ unter der Auswahl an weit­ge­hend zeit­lich sehr begrenz­ten Gesprächsmethoden auf der Tagung vor­stel­len zu kön­nen.

Es war uns eine gro­ße Freude, auf die­ser Tagung auch auf Menschen aus Arbeitskontexten fern­ab des Theaters zu tref­fen, die sich eben­falls mit dem „Sprechen über“ beschäf­ti­gen und mit ihnen unse­re und ihre Arbeit zu dis­ku­tie­ren.

Zwischen Lean cof­fee, Barcamp, Sudelbüchern, Dinnerformaten, einer Soundlecture, warmdenk-Methoden, Spaziergängen, fuck-up-nights, einer Fahrradtour durch Wolfenbüttel und den Raum immer stär­ker fül­len­den gra­phic record­ings rausch­te der Fluss an dem sehr ange­neh­men Tagungsgebäude vor­bei und es blieb aus­rei­chend Zeit mit den ande­ren Teilnehmenden über die Impulse der Tagung zu spre­chen.

Wir emp­fan­den die bei­den Tage als gro­ße Bereicherung und freu­en uns dar­auf, wei­ter­hin Gespräche anzu­zet­teln und die ange­zet­tel­ten Kontakte zu wun­der­ba­ren wei­te­ren Projekten wer­den zu las­sen.

(Willi, Jonas und Anna)

PS: Wir haben wie­der ein­mal fest­ge­stellt, dass unser Name „Geheime Dramaturgische Gesellschaft“ bereits für sich als Gesprächsanlass her­vor­ra­gend funk­tio­niert.