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Geheime Dramaturgische Gesellschaft Posts

Furore 2018 – Internationales Festival für junges Theater

Vom 18.–22. Juli war die Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg ein klei­nes Zentrum für Europäisches Theater: Über 60 Künstler*innen aus 10 ver­schie­de­nen Nationen zeig­ten ihre Produktionen, fei­er­ten und spra­chen mit­ein­an­der. Auch wir waren vier Tage lang dabei, haben uns unter die Festivalgemeinde gemischt, Gespräche initi­iert und Preise ver­lie­hen.

Unser Basislager erstreck­te sich über das gan­ze Festivalgelände zwi­schen ADK-Foyer und Innenhof. Das Publikum konn­te in den Gängen Eindrücke und Fragen zu den Inszenierungen tei­len oder auf den Toiletten Regeln für ein gutes Gespräch oder ein inter­na­tio­na­les Festival auf­stel­len. Auch als Übersetzer*in für die ver­schie­de­nen Sprachen des Programms konn­te sich mit­tels far­big mar­kier­ten Wäscheklammern regis­triert wer­den.

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An den Nachmittagen und Abenden luden wir zu for­ma­tier­ten Themengesprächen: Mit Picknickdecken und Obstkörben sprach­zier­ten wir in den nahe­ge­le­ge­nen Park, um uns über das Festivalthema „Widersprüchliche Identitäten“ aus­zu­tau­schen. Am Long Table wur­de mit Künstler*innen und Besucher*innen über Formen und Strategien der Inszenierung von Gender dis­ku­tiert. Und bis in die Nächte ver­sam­mel­ten wir uns um den LED-erleuchteten Thinking Pool, um den jewei­li­gen Festivaltag gemein­sam Revue pas­sie­ren zu las­sen.

Den Abschluss bil­de­ten die ers­te von uns auf Englisch gehal­te­ne Preisverleihung und eine Nacht vol­ler lan­ger, gelös­ter Gespräche über Theater, Europa, Arbeit und Politik und die Zusammenhänge, die wir fan­den.

 
Ein herz­li­cher und gol­de­ner Dank geht an das Furore-Team und alle Beteiligten!

Preisverleihung

Best solo action – Viktor Rabl with „Heimat von oben“

Best laug­hing – Frank the tech­ni­ci­an during the con­cert of Шапка

Most shiny teeth shi­ne – The Noodle Truck lady

Best sta­ge hog enab­le­ment – Alice Bogaerts, the direc­tor of “BURT

Best pri­ze cate­go­ry – Best moment, in which a con­fet­ti shoo­ter should have been shot, but wasn’t

Tired insi­de, back awa­ke – “The power of unknown cha­os”

Best rock bandШапка, for per­for­ming punk in the non-punk envi­ron­ment of the ADK foy­er

Best moment, in which a con­fet­ti shoo­ter should have been shot, but wasn’t – “InBetween”, for the moment in which the heart beats for the last time

Best non-happening – The fes­ti­val team for for­get­ting the date with the team of “Schöner Wird’s Nicht”

Courage to ugli­ness – “KRUM. The crea­ti­on of the world” for the ugly cha­rac­ters they brought on sta­ge

Best per­son with red shoes – Johann Diel from the fes­ti­val team

Best use of paper pie­ces – Lukas Schädler and hel­pers for inven­ting tit­les of upco­m­ing fes­ti­val edi­ti­ons

Best yoga pos­tu­reШапка for the “Kakerlake” as a part of their warm-up

Best orga­ni­sa­ti­on – The bar team for the unex­pec­ted Friday night out­door par­ty

Best moment of love – Marielle Layher in “Hasen-Blues. Stopp” for the … con­fes­si­on of love

Best musicWojciech Kondzielnik in “Awakening”

Best body ten­si­onFyodor Dostoyevsky and Sabina Machačová in “A Gentle Spirit”

Piece which I nee­ded a ciga­ret­te after – “Awakening”

Most plea­sant absence of direc­ting – The GDG for restrai­ning as faci­lia­tors during the long table gen­der talk

Best black-out – “InBetween” for the black-out during which the tech­ni­ci­an was seen and loo­ked like a ghost

Best grand­ma – Leon Singer for taking care of the team of “The Words of Others” (with joker)

Best ges­tu­re of embarr­ass­mentWojciech Kondzielnik in “Awakening” for try­ing not to attract atten­ti­on after acci­dent­al­ly hit­ting his gui­tar during the quiet moments after a naked and ecsta­tic group dance

Best could-have-been – The pre­sence of visi­tors from Ludwigsburg at this fes­ti­val

Best ani­mal sound – Anna Russell-Martin for her sheep sound during the cere­mo­ny

Most like­ab­le tech­ni­ci­an – Friedemann Klappert for being the most fri­end­ly Technical Manager around 

Best Moment of Love – Marielle Layher in „Hasen_Blues.Stopp“ for her unpre­ten­tious con­fes­si­on of love

GDG goes herr*krit – Reflexionen (auf) einer herrschaftskritischen Sommeruni

Was ist eigent­lich Kritik? Was ist Herrschaftskritik? Wie sieht es aus, wenn sich 500 jun­ge und jung­ge­blie­be­ne Menschen eine Woche unter die­sem Motto tref­fen, gemein­sam pro­duk­tiv sein und Herrschaftskitik fei­ern wol­len?

Auf jeden Fall viel­fäl­tig, auf jeden Fall bunt. Beim Versuch einer genaue­ren Beschreibung, ent­zieht sich herr*krit jedoch jedem label.

Natürlich gibt es Workshops, auch. Es gibt Crashkurse, auch. Und selbst­ver­ständ­lich gibt es Feiern. Aber ist herr*krit eine Workshopreihe: Nein. Ist herr*krit ein Festival, nicht ganz. herr*krit will mehr. herr*krit ver­sucht ein Raum zu sein, für eine Gruppe, die sich selbst sucht und immer wie­der fin­det.

 Ein kurz­wei­li­ges Utopia, zu des­sen Reflektion wir ein­ge­la­den wur­den. Für den Abschluss am Freitag kon­zi­pier­ten wir zahl­rei­che Formate, die viel­fäl­ti­ge Kommunikationen zwi­schen den Gästen und den Organisator*innen von herr*krit ermög­lich­ten, um so die diver­sen, im Laufe der Woche gesam­mel­ten Erfahrungen für zukünf­ti­ge Veranstaltungen nutz­bar wer­den zu las­sen – aus ihnen zu ler­nen. Wir bedan­ken uns bei allen Beteiligten für ein wirk­lich beein­dru­cken­des Erlebnis.

Internationales Figurentheaterfestival BLICKWECHSEL 2018 in Magdeburg

Eine Woche lang waren wir auf dem inter­na­tio­na­len Figurentheaterfestival Blickwechsel zu Gast. Wir haben Gespräche geführt, ange­stif­tet, auf­ge­schnappt und mit­ge­hört; haben Produktionen gese­hen, Ästhetiken, Formen und Inhalte dis­ku­tiert; haben über Strukturen, Arbeitsbedingungen, Hierarchien und Begriffe gestrit­ten. Vieles davon haben wir im Basislager, das das Foyer in Beschlag genom­men hat doku­men­tiert.

Wir haben unse­re Gespräche und Beobachtungen zu Thesen ver­dich­tet. Der Titel, unter dem das Diskursprogramm auf die­sem Festival stand, lau­te­te Aufbruch. Ein Aufbruch ist eine offe­ne Suche, ist die Provokation des Neuen, des Unbekannten, des Unabgeschlossenen. Und somit kann auch unser Beitrag nur das sein: Eine unab­ge­schlos­se­ne und nicht kohä­ren­te Sammlung; Eine Menge, die uns gegen­über­steht und uns angeht; ein Plädoyer, das auf­for­dert sich zu ihm zu ver­hal­ten.

Die nun fol­gen­de Liste greift Diskurse auf, die uns wäh­rend der Festivaltage beschäf­tigt haben. Eine Auswahl von 15 Thesen prä­sen­tier­ten wir als Impuls beim Double-Diskurs, der im Rahmen des Festivals statt­fand.

STTS 2018 – Runde drei!

Theaterschaffende Schüler*innen aus ganz Sachsen fei­er­ten Theater vom 6. bis 9. Juni unter dem Motto „Theater und Politik“ im Opernhaus Chemnitz. Drei Tage lang zeig­ten und dis­ku­tier­ten 119 Schüler*innen aus sechs Theatergruppen im Rahmen des Schülertheatertreffens 2018 ihre dies­jäh­ri­gen Produktionen, ihre Gedanken und Gefühle zur Zukunft unse­rer Gesellschaft. Und wir waren – inzwi­schen das drit­te Jahr in Folge – mit dabei.

Wir haben Nachgespräche für die ein­zel­nen Produktionen und ein poli­ti­sches Basislager ent­wor­fen, in denen und dem die Schüler*innen gleich­be­rech­tigt zu Wort kom­men konn­ten. Auf gro­ßen Tafeln wur­de über die Zukunft des Theaters debat­tiert, in einem über­di­men­sio­nal gro­ßen Buch “Ideen für eine bes­se­re Welt” gesam­melt.  So ent­stand ein ange­reg­ter Austausch, alle Facetten des Festival-Mottos betref­fend, über kon­kre­te Aufführungen, Theater und Politik im Allgemeinen und das Festival an sich.

Wir haben ein Speeddating ver­an­stal­tet und uns unter die Festivalbesucher*innen gemischt, haben viel Theater gese­hen und fast noch mehr über Theater gere­det.

Auf öffent­li­chen Planen und in gehei­men Briefen wur­den Aufführungen enga­giert dis­ku­tiert, bei einem Picknick ent­spannt über die Festivalerlebnisse geplau­dert. Am abend­li­chen Laberfeuer wur­de musi­ziert und auf der Terrasse impro­vi­siert.

Zu guter letzt ver­wan­del­te sich am Freitagabend das Basislager in ein hoch­en­er­ge­ti­sches Basslager. Es wur­de aus­gie­big getanzt – mit will­kom­me­ner Abkühlung in Form einer Eisverleihung.

Wir bedan­ken uns bei allen Gruppen sowie der Organisation für drei ein­drucks­vol­le, unter­halt­sa­me und bewe­gen­de Tage.

Danke dafür!

Conni

26. Schülertheatertreffen Sachsen-Anhalt

Vom 3. bis zum 6. Juni ver­an­stal­te­te das Landeszentrum Spiel & Theater Sachsen-Anhalt e.V. das dies­jäh­ri­ge Schülertheatertreffen am Theater Magdeburg und neben neun Schüler*innen-Gruppen durf­te sich auch die Geheime Dramaturgische Gesellschaft herz­lich will­kom­men füh­len vor Ort die Nachgesprächskultur zu beför­dern.

Zusammen mit Spielenden der gela­de­nen Inszenierungen kon­zi­pier­ten wir in einem Workshop vor­ab und im Verlauf des Festivals Nachgesprächsformate und ein Basislager und setz­ten die­se dann auf dem Festival um. Unterstützt wur­de wir dabei durch Luise Edom und Wiebke Zielosko, mit denen die Geheime Dramaturgische Gesellschaft schon mehr­mals in Thüringen arbei­te­ten.

Wir haben gemein­sam Briefkästen und Spiele gebas­telt, auf Scheiben dis­ku­tiert, Impulse gesetzt und Theater gefei­ert.

Es waren vier wunder- und ein­drucks­vol­le Tage von der Einreise in den „Staat des Triumphes durch Tatkraft“ bis zur Ausreise aus dem neu­ge­grün­de­ten Staat vol­ler groß­ar­ti­gem Theater, inter­es­san­ter (Nach-)Gespräche und vor allem mit einer herz­li­chen Atmosphäre.

Ein beson­de­rer Dank geht an die­ser Stelle an die Spielenden, mit denen ich zusam­men arbei­ten durf­te, und natür­lich an die Festivalorganisation.

So bleibt zum Schluss nur eins: Der Wunsch nach mehr.

Es war ein Fest!

Conni

Landesforum der Berliner Kinder- und Jugendtheater

Theaterschaffende der Kinder- und Jugendtheaterszene Berlins tra­fen sich am 24.05.2018 im Podewil um sich über ihre Arbeitsbedingungen und die dar­aus resul­tie­ren­den Forderungen an die Politik aus­zu­tau­schen. Dieses ers­te Landesforum bil­de­te den Startpunkt der Evaluation, die das Kinder- und Jugendtheaterzentrum der Bundesrepublik Deutschland im Auftrag des Berliner Senats durch­führt.

Wir waren gebe­ten den Auftakt der Evaluation zu beglei­ten und zu beob­ach­ten. Am Ende des dis­kus­si­ons­rei­chen Tages stell­ten wir aus unse­ren Beobachtungen ad hoc Thesen auf, wel­che Ihr nun hier nach­le­sen könnt:

1) Dass jetzt noch an Grundlagen gear­bei­tet wer­den muss, sorgt für Frustration. Bitterkeit ist unpro­duk­tiv und der Kampf lohnt sich.

2) Durch unter­schied­li­che Belastung gibt es unter­schied­li­che Vorabbeschäftigung mit den Thesen.

3) Wir soll­ten einen Weg fin­den ein soli­da­ri­sches Wir zu wer­den trotz unse­res Stolzes auf die diver­se Berliner Kinder- und Jugendtheaterlandschaft.

4) Kinder und Jugendliche sind das Kinder- und Jugendtheaterpublikum von mor­gen.

5) Niemand außer uns benutzt den Begriff „Erwachsenentheater“.

6) Nichts ist bes­ser als der Kreis.

7) 50 Minuten krat­zen an der Oberfläche.

8) Wer mit mehr Leuten da ist, hat mehr Einfluss.

9) Durch die Themen der Gesprächsrunden wur­den Theater mit ähn­li­chen Bedürfnissen zusam­men gebracht, aber ein inten­si­ve Vermischung ver­hin­dert.

10) Zwangstheaterbesuche für Kinder sind die belieb­tes­te Forderung des Positionspapiers 2017.

11) Hier wur­de ver­pfle­gungs­tech­nisch vor­ge­legt, was auch für Theater abre­chen­bar sein soll­te. Leckeres schafft Zusammenhalt.

12) Wo ist das Positionspapier des LAFT Berlin?

13) Die Durchführenden der Evaluation müs­sen nicht um Beteiligung wer­ben, weil sie Teil einer Lobbyarbeit aller ist.

14) Es braucht mehr Vernetzungstreffen.

 

Es war schön, Teil des gan­zen gewe­sen zu sein.

Anna und Willi

Ästhetik des Dialogs – Austausch als künstlerische Praxis · 2. Jahrestagung der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft

Wie lässt sich Austausch über die dar­stel­len­den Künste als eige­ne künst­le­ri­sche Praxis den­ken? Unter die­ser Fragestellung laden wir zur 2. Jahrestagung der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft. Als Geheime Dramaturgische Gesellschaft beschäf­ti­gen wir uns mit Gesprächsanstiftung und reden viel über Theater und ande­re Künste, über kul­tur­po­li­ti­sche Strukturen und Festivalarchitekturen. Wir sehen das Gespräch und die Gestaltung von Gesprächssituationen nicht nur als admi­nis­tra­ti­ve, päd­ago­gi­sche oder ver­mit­teln­de Tätigkeit son­dern ganz expli­zit als eine künst­le­ri­sche Praxis.

Auf unse­rer 2. Jahrestagung wol­len wir in Austausch tre­ten mit Interessierten und Praktizierenden aus den unter­schied­lichs­ten Kontexten. Wir wol­len Eure Ansätze und Strategien ken­nen­ler­nen und unse­re eige­nen vor­stel­len. Wir wol­len mit Euch Bestehendes dis­ku­tie­ren und neue Ideen spin­nen. Wir wol­len ein Wochenende gemein­sam ver­brin­gen und gestal­ten. Wir wol­len mit Euch reden.

Die Jahrestagung ist ein Werkstattwochenende, an dem Zeit ist, aus dem all­täg­li­chen Tun her­aus­zu­tre­ten, um gemein­sam mit ande­ren die eige­ne Arbeit zu reflek­tie­ren und neue Impulse und Anregungen mit­zu­neh­men. Die 2. Jahrestagung der GDG wird ein Projekt aller Teilnehmenden sein, zu dem alle ihre Expertisen, Gedanken und hel­fen­den Hände bei­tra­gen: Uns inter­es­siert, aus wel­chen Kontexten Ihr kommt, wel­che Haltung Ihr zur künst­le­ri­schen Praxis in Austauschformaten mit­bringt, bzw. was euch an die­sem Thema inter­es­siert. Das Tagungsprogramm wird durch alle Teilnehmenden gemein­sam gestal­tet und ent­wi­ckelt sich dar­aus, wel­che Fragestellungen oder Erfahrungen Ihr ein­brin­gen wollt. Die Form, in der die­se in der Struktur der Jahrestagung auf­tau­chen (ob als kur­zer Input, Gesprächsrunde mit einer offe­nen Frage, Werkstatt zur Ideen- oder Formatentwicklung, usw.), ent­wi­ckeln wir als GDG in Absprache mit Euch. Nach der Anmeldung neh­men wir mit Euch dazu tele­fo­nisch Kontakt auf.

Das Programm soll neben der inhalt­li­chen Auseinandersetzung beson­ders auch Zeit für Austausch beim gemein­sa­men Kochen, Essen, Spielen, Spazierengehen oder am Laberfeuersitzen las­sen.

Ort der Jahrestagung ist vom 24. bis 26. August 2018 der Kunsthof Friedrichsrode (kunsthof-friedrichsrode.de). Die Kosten pro Person für Vollpension, Tagungsgetränke (Kaffee, Tee, Wasser), Materialien, Abschlussdokumentation und die Tagungsräume betra­gen 100 € / Person im Mehrbettzimmer oder 140 € / Person im Doppelzimmer.

Wir freu­en uns, wenn Du dabei bist und bit­ten um eine Anmeldung unter jahrestagung.geheimedramaturgischegesellschaft.de. Insgesamt sind 40 Plätze zu ver­ge­ben. Die Platzvergabe geschieht anhand der Eingangsdaten der Anmeldungen. Anmeldeschluss ist der 3. Juni 2018. Wenn Du noch Fragen hast, schreib uns an jahrestagung@geheimedramaturgischegesellschaft.de.

Wir wol­len mit Dir reden!

Jonas Feller, Anna-Sophia Fritsche, Constantin Krell, Vincent Kresse, Stephan Mahn & Wilhelm Werner Wittig

Geheime Dramaturgische Gesellschaft

Eine gesprächsanstiftende Kneipentour

Bevor wir die ers­te Kneipe betre­ten, ver­su­che ich auf jede unse­rer gestem­pel­ten Fragen eine Antwort zu fin­den und goog­le nach Definitionen. Aber jetzt erst­mal drü­ber reden. Was ist Terror? Freiheit oder Sicherheit? Was hat das mit Theater zu tun? Mein ers­tes Gespräch zu die­sen Fragen ist sehr kurz. Die Gruppe ist schon im Gehen. Schwere Fragen. Alles ist Terror. Freiheit und Sicherheit. Theater wre­de+ kenn ich nicht, klingt aber gut.

Die Kneipe ist voll und laut. Es läuft Fußball. Das nächs­te Gespräch über Terror füh­re ich mit Vincent. Gehst du noch ins Stadion? Nein, aber das liegt nicht am Terror. Aber ich geh noch zu Großevents oder Weihnachtsmärkten oder so. Ohne Angst und wenn doch mal Angst dann aus Trotz erst recht. Bremen hat ein Tor geschos­sen oder nein doch nicht. Von mei­nem Platz kann ich die Leinwand nicht sehen, nur die Gesichter der Menge. Fußball schlägt Bierdeckel.

Gespräch mit dem Nebentisch. Es geht sehr viel um Gender und zumin­dest kurz um die Frage, war­um man ins Theater gehen soll, wenn man doch Netflix hat.

Zeit für einen Kneipenwechsel. Am Fenstertisch wird hit­zig über einen Deckel dis­ku­tiert. Ich kann die die Frage nicht erken­nen.

Nächste Kneipe. Ich ver­tei­le die Bierdeckel an den Tischen. Coole Aktion… Oh inter­es­sant, vom wre­de+ kommt ihr? … Spannend, da war doch heu­te auch so ne Demo. Gegen Erdogan. Das ist Terror. Also was der macht, mein ich … Ah habt ihr auch einen Stift? Klar haben wir einen Stift. An eini­gen Tischen dreht sich das Gespräch um die Bierdeckel, an ande­ren Tischen wer­den sie direkt aus­ge­füllt.

Wer wird Terrorist*in? Vielleicht ja ich. So beginnt das längs­te Gespräch mei­nes Abends. Für was wür­dest du kämp­fen? Beziehungsweise gegen wen kämpft man eigent­lich? Es geht um Protestformen, um Machtverhältnisse und die Suche nach der Wurzel alles Übels. Was heißt Freiheit? Was heißt Sicherheit? Und was hat Maslows Bedürfnispyramide damit zu tun? Die heu­ti­ge Darstellung der DDR, die welt­ver­än­dern­de Kraft von Theater und Globalisierung. Die Themen sind viel­fäl­tig und wech­seln schnell, doch die Frage nach Terror steht immer im Raum und ich fin­de im Gespräch neben­bei auch mei­ne eige­ne Terrordefinition.

Mit der GDG zur Club Convention

Die Club Convention ist das neue Festival der Theaterspielclubs am Schauspiel Leipzig:
Vom 26. bis 29.4.2018 stür­men SpielerInnen im Alter von 14 bis 87 Jahren das Haus und all sei­ne Bühnen. An die­sen Tagen rah­men wir die vier Neuinszenierungen der Clubs mit einem Programm aus Podiumsdiskussionen, Nachgesprächen und einem Barcamp zu aktu­el­len Themen der Theaterpädagogik.

CLUB CONVENTIONSTIPENDIATINNENPROGRAMM
Du stu­dierst Theaterpädagogik, Darstellendes Spiel oder ein ver­wand­tes Fach oder bist Berufs­anfängerIn in die­sem Bereich und hast Lust, an der Club Convention vom 26. bis 29.4.2018 in Leipzig teil­zu­neh­men? Die Theaterwissenschaft ist dein Steckenpferd, aber du willst gern mehr über thea­ter­päd­ago­gi­sche Methoden erfah­ren? Du bist schon im ers­ten Job, hast aber Lust auf neu­en Input?Das StipendiatInnenprogramm der Club Convention hat zum Ziel, Studierenden und Berufs­anfängerInnen der Theaterpädagogik, des Darstellenden Spiels und ver­wand­ter Fächer die Teilnahme am Festival und den Austausch über aktu­el­le Themen der theaterpäda­gogischen Praxis zu ermög­li­chen. Darüber hin­aus wer­det ihr gemein­sam mit Mitgliedern der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft das Feedbackbüro der Club Convention betrei­ben und AnstifterInnen für Gespräche und Diskussionen mit und unter den Festivalteilnehmenden sein. Unter Anleitung der GDG lernt ihr vor­ab in einem Workshop am 25.4. ver­schie­de­ne Nachgesprächs- und Feedbackmethoden — inte­gra­ler Bestandteil der thea­ter­päd­ago­gi­schen Arbeit — ken­nen und wer­det fit gemacht für den Einsatz am Publikum! Im Stipendium inbe­grif­fen: Festivalticket für alle Produktionen der Club Convention, Workshop und Festivalbegleitung mit der GDG, Teilnahme an allen Veranstaltungen des Rahmenprogramms, Unterkunft, Reisekosten.

Bewerbung: bis 1.4.2018 mit CV und einem kur­zen Motivationsschreiben zur Frage „Wie wol­len wir über Theater reden?“ per E-Mail an clubconvention@schauspiel-leipzig.de.

Das Programm als PDF

Die Ausschreibung als PDF

Worüber müssen wir nicht mehr reden? Worüber müssen wir jetzt noch reden?

Für einen Teil von uns – zumin­dest die­je­ni­gen von uns, die in Hildesheim stu­diert haben – ist das stu­den­ti­sche Diskurs-Festival State of the Art wohl einer der Gründe dafür, war­um wir uns jetzt mit Gesprächskultur und Nachgesprächen beschäf­ti­gen. Vom 19. – 21. Oktober fand es zum 9. mal statt und mit Jonas ist die GDG Teil des­sen gewe­sen.

Anlass dafür war die Zusammenarbeit des State of the Art mit dem Performing Arts Programm Berlin. Das Handbuchprojekt, bei dem auch wir Teil sind, wur­de von Nathalie Frank in einer Podiumsdiskussion über Theatervermittlung vor­ge­stellt und vier der acht Nachgesprächsformate aus die­sem Projekt wur­den auf dem State durch­ge­führt. Darunter auch zwei von uns.

Zu der Produktion „Das Vaterunser“ hat Jonas jeweils ein­mal die „Kartographie“ und „Das unbe­schrie­be­ne Blatt“ durch­ge­führt. Beides mit bis­her unge­ahn­ten Teilnehmendenzahlen von knapp 60 Menschen. Für die Kartographie geht das sehr gut auf und die Bühne ist danach gepflas­tert mit Post-Its. Dem unbe­schrie­be­nen Blatt, so die Erfahrung nach dem State,  tut es auf jeden Fall gut mit weni­ger Menschen durch­ge­führt zu wer­den – wenn auch das Papierreißen von 60 Händepaaren in einem ansons­ten stil­len Raum eine wun­der­ba­re Geräuschkulisse schafft. Für bei­de Formate haben wir auf­grund der Erfahrung der vor­he­ri­gen Testläufen geschraubt und neu­es aus­pro­biert. Auch jetzt fin­den sich mög­li­che aber teil­wei­se auch noch nöti­ge Variationen, die wir bei wei­te­ren Testläufen erpro­ben wer­den.

Jonas hat zudem die Podiumsdiskussion unter der Moderation von Michael Kranixfeld, bei der neben Nathalie Frank auch Prof. Birgit Mandel, Prof. Christoph Lutz-Scheuerle und Prof. Jens Roselt mit auf dem Podium spra­chen beob­ach­tet und durf­te sie unter den Fragen „Worüber müs­sen wir nicht mehr reden?“ und „Worüber müs­sen wir jetzt noch reden?“ abschlie­ßen.


Niederschrift des Abschlusses der Podiumsdiskussion (auf­grund des feh­len­den Kontexts der vor­her­ge­gan­ge­nen Podiumsdiskussion leicht ange­passt):

Wir müs­sen nicht mehr dar­über reden, dass der Vermittlungsbegriff divers ist. Wir müs­sen auch nicht mehr dar­über reden, dass es diver­se Theaterverständnisse gibt. Wir müs­sen aller­dings immer wie­der dar­über spre­chen, was wir mei­nen, wenn wir von Vermittlung spre­chen. Wir müs­sen immer wie­der dar­über reden, was wir mei­nen, wenn wir über Theater spre­chen. 

Das Gespräch auf dem Podium hat sich vor allem dem Theater als Institution und deren Vermittlung gewid­met. Ich möch­te nun den Bogen schla­gen zurück zum Anfang, zu den Nachgesprächsformaten des PAP aber noch viel mehr zu dem vor uns lie­gen­den Festival und zu den Gesprächsformaten hier auf dem State of the Art.

Wir müs­sen uns immer wie­der fra­gen: Wer sind die Akteur*innen die­ser Gespräche? Wer sind wir, die wir die­se Gespräche durch­füh­ren und was ist unser Anliegen? Wir sind kei­ne Institutionen, wir sind auch kei­ne Künstler*innen – zumin­dest nicht die­je­ni­gen deren Aufführungen wir gera­de bespre­chen. Sind wir viel­mehr Publikum, das für das Publikum ein Format anbie­tet um ins Gespräch zu kom­men? Wer spricht hier eigent­lich mit wem? Ist das Gespräch über­haupt die adäqua­te Form und war­um spre­chen wir immer nur danach, aber nicht davor oder wäh­rend­des­sen? Wie ver­mit­teln wir Gesprächskultur, über was spre­chen wir und haben wir über­haupt gemein­sa­me Begriffe?

Abschließend habe ich ein kur­zes Plädoyer for­mu­liert, das ich an uns alle rich­ten möch­te: Die Künstler*innen haben etwas prä­sen­tiert. Sie haben Position bezo­gen und sich damit angreif­bar gemacht. Wie kom­men wir dar­auf anzu­neh­men, die­se Stellungnahme im Nachgang auch noch mund­ge­recht erklärt zu bekom­men? Wie kom­men wir dar­auf, noch mehr von den Künstler*innen zu for­dern? Die Künstler*innen haben die Aufführung been­det. Nun ist es an uns Stellung zu bezie­hen. Nun ist es an uns, uns angreif­bar zu machen. Dann kön­nen wir in Dialog tre­ten.