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Autor: Vincent

Fünf Dinge – Der Podcast der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft. Folge 2: Herrschaftskritik durch Formatgestaltung

Herrschaftskritik? Ein gro­ßes Wort, aber was heißt das eigent­lich? Und wie kann das aus­se­hen? In der zwei­ten Folge unse­res Podcasts „5 Dinge“ spre­chen wir mit Verena Häseler (herr*krit), Emilia de Fries & Anabel Hogefeld (Initiative für Solidarität am Theater) über Gesprächs‑, Begegnungs- und Austauschformate, mit denen sich Herrschaftskritik nicht nur den­ken und dis­ku­tie­ren, son­dern vor allem prak­tisch gestal­ten lässt.

Die Woche für nicht-infektiöse Begegnungsformate

Ein Erfahrungsbericht von Laura Kallenbach

Ich ver­mis­se Theater. Ich ver­mis­se die gemein­sa­me Raumerfahrung, die unru­hi­ge, erwar­tungs­vol­le Spannung bevor es los geht, bekann­te Gesichter zu tref­fen und allei­ne in der Zuschauer*innengruppe unter­zu­ge­hen, wenn das Licht schumm­ri­ger wird. Ich ver­mis­se Staubpartikel im Scheinwerferlicht, Sätze, die auf der Bühne und in mei­nem Kopf nach­hal­len, Körper, die vor mir, neben mir, hin­ter mir aktiv sind, atmen, reagie­ren, zuhö­ren, arbei­ten. Ich ver­mis­se schö­ne Menschen, die an der Bar im Foyer ste­hen und im Nachgespräch schlaue Sachen sagen und wich­ti­ge Fragen stel­len. Ich ver­mis­se Auseinandersetzung, mit mir, mit ande­ren.

Ich habe trotz­dem oder gera­de des­halb in den letz­ten Monaten weni­ge Online-Theater- Ersatzformate wahr­ge­nom­men. Kaum Inszenierungen über Plattformen gestreamt oder mich von Schauspieler*innen oder Performer*innen in ihr Wohnzimmer zu einer Lesung oder ähn­li­chem ein­la­den las­sen. Meine ein­ge­üb­te Aufmerksamkeit vor dem Bildschirm funk­tio­niert für Videomitschnitte von Inszenierungen nicht auf die sel­be Art und Weise wie für Netflix-Serien. Prozentual viel­leicht unge­fähr in dem Verhältnis in dem Theatern finan­zi­ell und tech­nisch Mittel für eine sol­che Videoproduktion gegen­über einer Filmproduktion zur Verfügung ste­hen, abzüg­lich der Ablenkung, dar­über nach­zu­den­ken, wie die Raumerfahrung, für die die­se Inszenierung eigent­lich erar­bei­tet wur­de, jetzt wohl even­tu­ell wäre, ob Streamingangebote gera­de Rettung oder Tod des Theaters bedeu­ten, ob, wie, und … Ich mach mir kurz ne Stulle.

Vor ein paar Wochen aller­dings hat­te ich durch die „Woche der nicht-infektiösen Begegnungsformate“ der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft plötz­lich einen Terminkalender vol­ler Theater-Dates, die ich alle­samt wahr­ge­nom­men habe. Zu wis­sen, dass zu den ein­zel­nen Terminen des Wochen-Spielplans meh­re­re Menschen zusam­men kom­men wer­den und die Aufführungen (unter­schied­li­cher Art) gemein­sam erle­ben wer­den, war auf jeden Fall schon mal ein ers­ter Anreiz, die­ses Format zu tes­ten. Oder eigent­lich die Formate. Die unter­schied­li­chen, offe­nen Versuchsanordnungen, Theater und vor allem Begegnung mit und über Theater in die­ser Zeit statt­fin­den zu las­sen, haben mich neu­gie­rig gemacht und mich als Mitforschende ein­ge­la­den.

Ich habe in einem Zoom-Meeting mit 30, 40 Menschen zusam­men Theater geschaut, ein TIMEOUT ein­ge­for­dert, um den Stream zu unter­bre­chen und eine Frage zur Inszenierung zu stel­len – ans Team und an die ande­ren Zuschauenden. Ich habe den Zoom-Zuschauer*innen-Raum nicht zwi­schen­zeit­lich ver­las­sen, um ande­re Dinge zu tun, son­dern mich tat­säch­lich im kol­lek­ti­ven Schauen auf den Stream (und den kom­men­tie­ren­den Chat mit den ande­ren) kon­zen­trie­ren kön­nen, mich viel­leicht auch in die­ser Konstellation stär­ker mit ver­ant­wort­lich gefühlt. Und ich habe im Nachgespräch wich­ti­ge Frage zur Inszenierung wei­ter­den­ken und bespre­chen kön­nen. Ich hat­te allei­ne
in mei­ner Wohnung sit­zend das Gefühl, gemein­sam Theater zu erle­ben. Das Video hat die Live-Aufführung nicht erset­zen kön­nen, aber das Format eine Form des gemein­sa­men Erlebens.

TIME-OUT! Ein unter­bro­che­nes Public Viewing“ zur Online-Aufführung von „Scream“ am Jungen Ensemble Stuttgart

Ich war eine Stunde spa­zie­ren und habe mich am Telefon zufäl­lig aus­ge­lost zwar nicht mit einer mir frem­den Person unter­hal­ten, aber doch als schö­ne Überraschung mit einem Menschen, den ich sonst gera­de nicht tref­fe. Ich bin durch die Straßen und den Park spa­ziert und wir haben dar­über gespro­chen, wie uns die Situation gera­de betrifft, wie wir sie wahr­neh­men und mit ihr umge­hen, ob Theater dabei gera­de eine Rolle spielt, wie und was geschaut wird, über die Zukunft des Theaters (oder eher der Theater
in ihren sehr unter­schied­li­chen insti­tu­tio­nel­len Bedingungen) spe­ku­liert und Fragen an gesell­schaft­li­che Auswirkungen die­ser Krise gestellt. Das bei einem Spaziergang zu tun, an ande­ren Menschen vor­bei­ge­hend, Umgebungsgeräusche aus­hal­tend, Außenwelt (den sehr begrenz­ten Ausschnitt des eige­nen Kiezes) wahr­neh­mend, war für mich ein gutes
Setting, sich selbst und die Themen des Gesprächs, das Sprechen über Theater in unter­schied­li­chen Kontexten, unter­schied­li­chen Lebenswirklichkeiten zu ver­or­ten und ein­zu­ord­nen. Auch im Nachdenken über das Gespräch im Nachhinein. Worüber wird gere­det und war­um gera­de jetzt?


Ich habe beim Fünf-Dinge Podcast ehr­li­che Einblicke in den aktu­el­len Alltag und das Ausprobieren von Formaten der Theater(pädagogischen) Arbeit erhal­ten, die Probleme, Chancen und Fragen glei­cher­ma­ßen offen­leg­ten. Welche Formate ent­spre­chen mei­ner künst­le­ri­schen Arbeit tat­säch­lich, wer­fen neue inter­es­san­te, for­ma­le Fragen auf und erschei­nen unter den aktu­el­len Bedingungen nicht bloß als schnel­ler digitalitäts-Aktionismus im Kampf um Sichtbarkeit? Auf wel­che gesell­schaft­li­chen Bedingungen und
unter­schied­li­chen Bedürfnisse trifft thea­ter­päd­ago­gi­sche Arbeit in die­ser Situation auch in ihrer sozia­len Verantwortung und wie kann sie auf die­se reagie­ren, ihre Ressourcen zur Verfügung stel­len und umden­ken? Und in wel­cher exis­ten­ti­el­len (Not-)Lage befin­den sich Künstler*innen selbst, die nicht nur legi­ti­miert, son­dern auch ver­langt, inne zu hal­ten, für sich selbst zu sor­gen und grund­le­gen­de Fragen an die Zukunft der eige­nen Arbeit(-sstrukturen) zu stel­len? Wesentliche Fragen, die Raum brau­chen, ver­han­delt wer­den zu kön­nen, um in die­ser Situation aus dem Reagieren in ein nach­hal­ti­ges Handeln zu kom­men.

Für die Preisverleihung zur „Selbstinszenierung der Darstellenden Künste auf ihren Social-Media-Kanälen in Zeiten von Corona“ am nächs­ten Tag hat­te der „digitalitäts-Aktionismus“ dann aber doch zumin­dest eine gro­ße Bandbreite an (teils unge­woll­ter) Unterhaltung zu bie­ten. Und die Frage, was Sichtbarkeit von Theater in Zeiten von Corona bedeu­tet oder bedeu­ten kann, hat sich noch ein­mal deut­lich gestellt.

Preisverleihung zur Selbstinszenierung der Darstellenden Künste auf ihren Social-Media-Kanälen in Zeiten von Corona

(Fast) zum Abschluss der Woche war ich dann noch ein­mal im Theater bei System Rhizomas Premiere [UN]LIMITED TRACES, eine Tanzproduktion im und für den digi­ta­len Raum mit ana­lo­gem Nachgespräch am Telefon mit einer mir bis dahin unbe­kann­ten Person. Der rote Vorhang hat sich für mich live geho­ben und zwi­schen Show-Format, Prozess-Rückschau, Publikumsinteraktion und pri­vat gefilm­ten Tanzeinlagen nach gezeich­ne­ter Anleitung habe ich ver­sucht, mich auf eines neu­es, digital-analoges Inszenierungsformat ein­zu­las­sen, mich gefreut, einen bewuss­ten
Umgang mit den aktu­el­len Inszenierungsbedingungen inner­halb der künst­le­ri­schen Form zu beob­ach­ten und beim Nachgespräch doch auch wie­der viel über das Für und Wider aktu­el­ler Ersatzversuche/Formate von Theater und die sehr ande­ren Publikumserfahrung gere­det. Und wie schön, wie­der die Möglichkeit eines sol­chen Telefon-Nachgesprächs beim Spaziergang gehabt zu haben.

Ganz zum Abschluss hat mich an einem Sonntag-Abend die ein­ge­rich­te­te Telegram-Gruppe als schö­ner, gesel­li­ger Ausklang der Woche zum Tatort-Schauen bewegt, vom vor­zei­ti­gen Abschalten abge­hal­ten und im Anschluss zu einem gemein­sa­men Spiel ein­ge­la­den.

Wenn ich auf die Zeit seit dem schaue, hat die „Woche für nicht-infektiöse
Begegnungsformate“ für mich defi­ni­tiv Motivation geschaf­fen, zum einen online Angebote wenn, dann nicht allei­ne son­dern mit ande­ren zusam­men über Video-Konferenzen oder Gruppen-Chats wahr­zu­neh­men und zu dis­ku­tie­ren und zum ande­ren wei­ter Fragen an Formate, Zugänge zu Kunst und nach­hal­ti­ge Zukunftsperspektiven zu stel­len und zu den­ken. Gerade in der Frage nach spe­zi­fisch gestal­te­ten und mode­rier­ten Begegnungsformaten für den digi­ta­len Raum aber auch dar­über hin­aus unter den Bedingungen von Kontaktbeschränkungen hat die­se Woche wich­ti­ge Impulse gege­ben und ich sehe unter den zahl­lo­sen Online-Veranstaltungen nach und nach mehr, die den Fokus genau auf die Bedingungen und Möglichkeiten sol­cher neu­en Formate legen.
Dieser Schritt (zurück), der auch mit­be­denkt, dass es für sol­che Formate Expert*innen benö­tigt, die nicht zwin­gend Theaterschaffende sind, scheint mir ein wich­ti­ger.


Laura Kallenbach ist Gründungsmitglied von CHICKS* frei­es per­for­mance­kol­lek­tiv und seit­dem regel­mä­ßig als Dramaturgin an Produktionen des Kollektivs betei­ligt. Seit 2019 pro­mo­viert sie an der Universität Hildesheim zum Thema „Doing Gender als ästhe­ti­sche Praxis in der Theaterpädagogik.

Nicht-infektiöse Rückmeldungen

Du hast an nicht-infektiösen Begegnungsformaten teil­ge­nom­men? Dann inter­es­siert uns, wie du die letz­te Woche und die ein­zel­nen Formate erlebt hast. Du hast nie teil­ge­nom­men? Dann wür­de uns inter­es­sie­ren wor­an das lag und wel­che Schwellen wir abbau­en kön­nen.

Rückmeldungen ger­ne an fragen@geheimedramaturgischegesellschaft. de, per Telegram an 01636608357 oder zum öffent­li­chen Diskutieren als Kommentar unter die­sen Beitrag.

Die Abkotz-Schwelle – Ein Tag am Anonymen-Abkotz-Telefon

Es ist 23:50, als ich den letz­ten Anruf ent­ge­gen neh­me. Wir spre­chen 30 Minuten mit­ein­an­der. Insgesamt neh­me ich 10 Anrufe ent­ge­gen und spre­che mit 9 Menschen (ein­mal ist nur Stille am ande­ren Ende der Leitung). Der kür­zes­te Anruf dau­ert 47 Sekunden, der längs­te 50 Minuten. Der Durchschnitt liegt bei cir­ca 20 Minuten Gesprächszeit.

DISTANZ-LOS-GEHEN – Ein Spaziergang

16:00 Uhr war es so weit. Dreizehn Menschen wähl­ten eine ihnen zuge­los­te Nummer und bei drei­zehn ande­ren klin­gel­te das Telefon. Und dann wur­de tele­fo­niert. Ein Schüler tele­fo­nier­te mit einer Schauspielerin, ein frei­er Theatermacher mit einem Lehrer für dar­stel­len­des Spiel, zwei Theaterpädagoginnen mit­ein­an­der.

In den meis­ten Fällen kann­ten sich die­se Personen vor­her nicht. Zwei ehe­ma­li­ge Kommiliton*innen nut­zen das Telefonat zum gegen­sei­ti­gen Update, zwei Kolleginnen lie­ßen sich neue Partner*innen zu losen.

Am Anfang stand wohl bei Vielen eine Unsicherheit. Wer ruft mich an und wor­über sol­len wir reden? Aber dann ent­stan­den Gespräche die teil­wei­se über eine Stunde dau­er­ten. Es ging um Unsicherheiten in der aktu­el­len Situation, Ideen wie Theater gera­de funk­tio­nie­ren kann, das Entdecken von Parallelen in den ver­schie­de­nen Arbeiten, auch wenn man sich noch nie gese­hen hat. Vor allem aber war es schön, ein­mal jemand Neuen ken­nen zu ler­nen und inten­siv ins Gespräch zu kom­men.

Auf Theaterfestivals neh­men wir uns immer wie­der vor, Menschen mit­ein­an­der ins Gespräch zu brin­gen, die sonst nicht mit­ein­an­der reden wür­den. Beim DISTANZ-LOS-GEHEN gelingt dies selbst­ver­ständ­li­cher, ein­fa­cher und umfang­rei­cher, als es auf einem Festival mög­lich wäre. Allein schon des­halb, weil die räum­li­che Trennung plötz­lich kei­ne Rolle mehr spielt. Und ein Gespräch zwi­schen Schüler*innen und Schauspieler*innen pas­siert in die­ser Selbstverständlichkeit und in der Hierachiearmut des gemein­sa­men Flanierens, wohl nur wenn man zusam­men am Lagerfeuer sit­zen kann.

Aus den Gesprächen ent­ste­hen Postkarten für ein ARCHIV DER ISOLATIONS-THEATER-IDEEN. Diese ver­öf­fent­li­chen wir auf unse­rem Blog, sobald sie ein­tref­fen. Solltest du noch Anmerkungen zu dem Format und dei­nen Erfahrungen haben, schrei­be ger­ne an vincent@geheimedramaturgischegesellschaft.de.

Next-Generation-Programm zur Club Convention am Schauspiel Leipzig

Du stu­dierst Theaterpädagogik, Darstellendes Spiel oder ande­re ver­wand­te Fächer oder bist BerufsanfängerIn und hast Lust, die Leipziger Club Convention mit­zu­ge­stal­ten?

Die Club Convention, das Festival der Theaterspielclubs des Schauspiel Leipzig, geht in die drit­te Runde und fin­det vom 14. bis 17. Mai 2020 statt. Neben den Premieren der vier Theaterspielclubs ermög­licht ein fach­spe­zi­fi­sches Rahmenprogramm aus unter­schied­li­chen Gesprächs‑, Begegnungs- und Feedbackformaten, einem Fortbildungs-Workshop für Fach-KollegInnen und einer gro­ßen Abschlussparty außer­dem Raum und Gelegenheit für Vernetzung und Austausch.

Das Schauspiel Leipzig ver­gibt 7 Festival-Stipendien

Publikums‑, Feedback- und Fachgespräche – das Sprechen über Theater ist ein regel­mä­ßi­ger Bestandteil thea­ter­päd­ago­gi­scher Praxis. Bereits im drit­ten Jahr gestal­ten die Theaterpädagoginnen des Schauspiel Leipzig das Festival in Kooperation mit der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft (GDG), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Gespräche anzu­stif­ten und Räume zu schaf­fen, in denen jede/r gut und ger­ne über Theater reden kann.

Das Next-Generation-Programm der Club Convention will dir die Festivalteilnahme, den Austausch über aktu­el­le Themen der Theaterpädagogik und einen Einblick in die Arbeit der Theaterpädagogik am Schauspiel Leipzig und der GDG ermög­li­chen.

In einem Workshop lernst du ver­schie­de­ne kon­kre­te Gesprächsformate sowie grund­le­gen­de Ideen für eine bes­se­re Gesprächskultur am Theater ken­nen. Mit die­sem Rüstzeug gestal­test du dann gemein­sam mit Theaterpädagoginnen des Schauspiel Leipzig und Vertretern der GDG die Feedbackgespräche und das Festivalzentrum der Club Convention.

Im Stipendium inbe­grif­fen: Festivalticket für alle Produktionen der Club Convention, Workshop und Festivalbegleitung mit der GDG, Teilnahme an allen Veranstaltungen des Rahmenprogramms, Unterkunft, Reisekosten.

Termine und Bewerbung:
Vorbereitender Workshop: 13. Mai 2020
Club Convention: 14.–17. Mai 2020
Bewerbungsfrist: 15. April 2020 mit CV und einem kur­zen Motivationsschreiben zur Frage „Wie wol­len wir über Theater reden?“ per E‑Mail an theaterpaedagogik@schauspiel-leipzig.de

Wir freu­en uns auf dei­ne Bewerbung!

Babette Büchele und Anne Tippelhoffer (Theaterpädagoginnen, Schauspiel Leipzig)
Tobias Gralke und Vincent Kresse (Geheime Dramaturgische Gesellschaft)

Jugendjury beim „Treff: Junges Theater in Thüringen“

Für den „Treff: Junges Theater in Thüringen“ wird eine Jugendjury aus Menschen zwi­schen 16 und 27 gesucht, die sich aktiv in die Thüringer Theaterszene ein­brin­gen (zum Beispiel als Spieler*innen, FSJler*innen, lei­den­schaft­li­che Zuschauer*innen), jedoch noch nicht auf dem Weg zur Professionalisierung, bspw. durch ein Studium in der Richtung, sind. Diese suchen gemein­sam mit einer Jury aus beruf­lich Theaterschafenden die Produktionen für den 24. Treff aus. Außerdem gestal­ten sie gemein­sam mit Saskia und Vincent von der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft die Nachgespräche auf dem Festival und sie kön­nen so Impulse für den Treff und die Gespräche mit­ein­an­der set­zen.

Zur Vorbereitung der Jugend-Jury gibt es einen Workshop mit der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft (GDG) zum Thema Festivalbegleitung und Gesprächsformate. Der Workshop fin­det am 06. – 07.04.2019 in Erfurt statt. Dabei steht auch ein gemein­sa­mer Theaterbesuch auf dem Programm. Der Workshop ist für 10 Jugendliche aus den ver­schie­de­nen Thüringer Theatern offen, fünf von ihnen wer­den dann die Jugend-Jury bil­den.

Auf Theaterfestivals ist der GDG immer wie­der auf­ge­fal­len, dass man haupt­säch­lich mit Leuten redet, die man schon kennt und das die span­nends­ten Gespräche mit “Neuen” in der Schlange vorm Essen oder zufäl­lig an der Bar ent­ste­hen. In den “offi­zi­el­len” Gesprächen reden oft immer die­sel­ben und zu einem pro­duk­ti­ven, wert­schät­zen­dem und kri­ti­schen Austausch, der für alle berei­chernd ist, kommt es sel­ten. Wie kann man das ändern? Und was kann eine Jugend-Jury dazu bei­tra­gen? Gemeinsam mit Saskia Scheffel und Vincent Kresse von der GDG wer­den Strategien gesucht, um posi­tiv auf Festivals ein­zu­wir­ken, Gesprächsformate aus­pro­biert und Sehgewohnheiten hin­ter­fragt.

Wer Lust hat Teil des Workshops und der Jugendjury zu sein mel­de sich bis zum 25.März in der Geschäftsstelle der LAG Spiel+Theater Thüringen bei Uta Homberg unter spiel-und-theater@lag-thueringen.de.

Weitere Termine:

1.5. – 15.06.2019: Sichtung der Bewerbungsvideos

Zeitraum: 24. – 28.06.2019: ein­tä­gi­ge Jury-Sitzung, Erfurt

17. – 20.10.2019 Teilnahme am Festival

Ästhetik des Dialogs – Austausch als künstlerische Praxis · 2. Jahrestagung der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft

Wie lässt sich Austausch über die dar­stel­len­den Künste als eige­ne künst­le­ri­sche Praxis den­ken? Unter die­ser Fragestellung laden wir zur 2. Jahrestagung der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft. Als Geheime Dramaturgische Gesellschaft beschäf­ti­gen wir uns mit Gesprächsanstiftung und reden viel über Theater und ande­re Künste, über kul­tur­po­li­ti­sche Strukturen und Festivalarchitekturen. Wir sehen das Gespräch und die Gestaltung von Gesprächssituationen nicht nur als admi­nis­tra­ti­ve, päd­ago­gi­sche oder ver­mit­teln­de Tätigkeit son­dern ganz expli­zit als eine künst­le­ri­sche Praxis.

Auf unse­rer 2. Jahrestagung wol­len wir in Austausch tre­ten mit Interessierten und Praktizierenden aus den unter­schied­lichs­ten Kontexten. Wir wol­len Eure Ansätze und Strategien ken­nen­ler­nen und unse­re eige­nen vor­stel­len. Wir wol­len mit Euch Bestehendes dis­ku­tie­ren und neue Ideen spin­nen. Wir wol­len ein Wochenende gemein­sam ver­brin­gen und gestal­ten. Wir wol­len mit Euch reden.

Die Jahrestagung ist ein Werkstattwochenende, an dem Zeit ist, aus dem all­täg­li­chen Tun her­aus­zu­tre­ten, um gemein­sam mit ande­ren die eige­ne Arbeit zu reflek­tie­ren und neue Impulse und Anregungen mit­zu­neh­men. Die 2. Jahrestagung der GDG wird ein Projekt aller Teilnehmenden sein, zu dem alle ihre Expertisen, Gedanken und hel­fen­den Hände bei­tra­gen: Uns inter­es­siert, aus wel­chen Kontexten Ihr kommt, wel­che Haltung Ihr zur künst­le­ri­schen Praxis in Austauschformaten mit­bringt, bzw. was euch an die­sem Thema inter­es­siert. Das Tagungsprogramm wird durch alle Teilnehmenden gemein­sam gestal­tet und ent­wi­ckelt sich dar­aus, wel­che Fragestellungen oder Erfahrungen Ihr ein­brin­gen wollt. Die Form, in der die­se in der Struktur der Jahrestagung auf­tau­chen (ob als kur­zer Input, Gesprächsrunde mit einer offe­nen Frage, Werkstatt zur Ideen- oder Formatentwicklung, usw.), ent­wi­ckeln wir als GDG in Absprache mit Euch. Nach der Anmeldung neh­men wir mit Euch dazu tele­fo­nisch Kontakt auf.

Das Programm soll neben der inhalt­li­chen Auseinandersetzung beson­ders auch Zeit für Austausch beim gemein­sa­men Kochen, Essen, Spielen, Spazierengehen oder am Laberfeuersitzen las­sen.

Ort der Jahrestagung ist vom 24. bis 26. August 2018 der Kunsthof Friedrichsrode (kunsthof-friedrichsrode.de). Die Kosten pro Person für Vollpension, Tagungsgetränke (Kaffee, Tee, Wasser), Materialien, Abschlussdokumentation und die Tagungsräume betra­gen 100 € / Person im Mehrbettzimmer oder 140 € / Person im Doppelzimmer.

Wir freu­en uns, wenn Du dabei bist und bit­ten um eine Anmeldung unter jahrestagung.geheimedramaturgischegesellschaft.de. Insgesamt sind 40 Plätze zu ver­ge­ben. Die Platzvergabe geschieht anhand der Eingangsdaten der Anmeldungen. Anmeldeschluss ist der 3. Juni 2018. Wenn Du noch Fragen hast, schreib uns an jahrestagung@geheimedramaturgischegesellschaft.de.

Wir wol­len mit Dir reden!

Jonas Feller, Anna-Sophia Fritsche, Constantin Krell, Vincent Kresse, Stephan Mahn & Wilhelm Werner Wittig

Geheime Dramaturgische Gesellschaft

Mit der GDG zur Club Convention

Die Club Convention ist das neue Festival der Theaterspielclubs am Schauspiel Leipzig:
Vom 26. bis 29.4.2018 stür­men SpielerInnen im Alter von 14 bis 87 Jahren das Haus und all sei­ne Bühnen. An die­sen Tagen rah­men wir die vier Neuinszenierungen der Clubs mit einem Programm aus Podiumsdiskussionen, Nachgesprächen und einem Barcamp zu aktu­el­len Themen der Theaterpädagogik.

CLUB CONVENTIONSTIPENDIATINNENPROGRAMM
Du stu­dierst Theaterpädagogik, Darstellendes Spiel oder ein ver­wand­tes Fach oder bist Berufs­anfängerIn in die­sem Bereich und hast Lust, an der Club Convention vom 26. bis 29.4.2018 in Leipzig teil­zu­neh­men? Die Theaterwissenschaft ist dein Steckenpferd, aber du willst gern mehr über thea­ter­päd­ago­gi­sche Methoden erfah­ren? Du bist schon im ers­ten Job, hast aber Lust auf neu­en Input?Das StipendiatInnenprogramm der Club Convention hat zum Ziel, Studierenden und Berufs­anfängerInnen der Theaterpädagogik, des Darstellenden Spiels und ver­wand­ter Fächer die Teilnahme am Festival und den Austausch über aktu­el­le Themen der theaterpäda­gogischen Praxis zu ermög­li­chen. Darüber hin­aus wer­det ihr gemein­sam mit Mitgliedern der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft das Feedbackbüro der Club Convention betrei­ben und AnstifterInnen für Gespräche und Diskussionen mit und unter den Festivalteilnehmenden sein. Unter Anleitung der GDG lernt ihr vor­ab in einem Workshop am 25.4. ver­schie­de­ne Nachgesprächs- und Feedbackmethoden — inte­gra­ler Bestandteil der thea­ter­päd­ago­gi­schen Arbeit — ken­nen und wer­det fit gemacht für den Einsatz am Publikum! Im Stipendium inbe­grif­fen: Festivalticket für alle Produktionen der Club Convention, Workshop und Festivalbegleitung mit der GDG, Teilnahme an allen Veranstaltungen des Rahmenprogramms, Unterkunft, Reisekosten.

Bewerbung: bis 1.4.2018 mit CV und einem kur­zen Motivationsschreiben zur Frage „Wie wol­len wir über Theater reden?“ per E‑Mail an clubconvention@schauspiel-leipzig.de.

Das Programm als PDF

Die Ausschreibung als PDF