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Autor: David

Desperate Housewatch zum Sonntagstatort – Schneller als alle Bullen zusammen

Es ist Sonntagabend, 20.15 Uhr, Tatort-Zeit. Heute aus Frankfurt. Wir haben einen digi­ta­len Livechat ein­ge­rich­tet. Und ab 20.15 Uhr scheint mein Handy zu explo­die­ren. Über 90 Minuten lang (mit Vor- und Nachgeplänkel) bom­bar­diert unser digi­ta­les Kommissariat mein Handydisplay, beschul­digt Verdächtige, kon­stru­iert Tatmotive und pro­phe­zeit die absur­des­ten, aber wohl nicht unwahr­schein­lichs­ten Falllösungen. Ein Wort gibt das Andere, im Bruchteil von Sekunden ermit­teln wir über Umfragen Täterprofile (War ers? – Runde 1 ‑3), fach­sim­peln über Rechtsphilosophie ( Sind wir die Guten (55%) oder die Bösen (45%)?) und ergrün­den unser Straftatenpotential (nie mehr durch­schla­fen (83%) oder einen Mord bege­hen (17%)?).

Im Sekundentakt wer­den unse­re wohn­zim­me­ri­gen Einsatzstellen prä­sen­tiert, sich zuge­pros­tet, Kulissen ana­ly­siert und Dialoge wei­ter gespon­nen. Ich bin so damit beschäf­tigt dem Chat zu fol­gen, dass mich die Kommissare in Frankfurt schon längst ver­lo­ren haben. Ist auch nicht schlimm, im Chat erfah­re ich ja eh alles was pas­siert, und hier ist die Stimmung deut­lich bes­ser als bei den Kolleg*innen am Main. Offensichtlich gehört es zum all­ge­mei­nen Krimivergnügen, den Ermittlungen wie bei einem Sportevent ordent­lich zuzu­ju­beln oder sich zu empö­ren. War mir gar nicht so klar, wie vie­le Emotionen ich da bis jetzt immer so still­schwei­gend durch­lebt habe.

Um 22 Uhr bin ich auf­ge­dreht wie sel­ten nach mei­nem übli­chen Sonntagsritual. War das jetzt eigent­lich Schwarmintelligenz? Oder eher Rinderwahnsinn? Und wer war noch­mal der Mörder?